Die Zusammenarbeit mit Eltern in Kitas ist häufig ein emotional aufgeladenes und konfliktträchtiges Feld mit zahlreichen Stolperfallen. Die Voraussetzungen für eine gelingende Zusammenarbeit und Partnerschaft auf Augenhöhe wurde jetzt in der Kooperations-Vortragsreihe „KiTa-Dialoge“ von den Expertinnen Dr. Seyran Bostanci, Dr. Susanne Gastmann und Marina Lagemann diskutiert.

Zum Auftakt stellte Moderatorin Dr. Elke Alsago (ver.di) die Frage „Was ist Erziehung?“ in den Raum und charakterisierte diese als ein „schillerndes theoretisches Konstrukt“ mit vielen unterschiedlichen Präferenzen. Sie stellte klar, dass man „nicht nicht erziehen kann“ und vergegenwärtigte den im SGB VIII festgehaltenen Erziehungsauftrag der KiTa – nämlich die „Entwicklung des Kindes zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern“.
Seyran Bostanci vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) beschrieb Erziehung als „eine Art Einsozialisation von Kindern“, bei der es auf eine wertschätzende und respektvolle Beziehungsgestaltung ankomme, damit alle Kinder sich frei entfalten können. Sie wies auf die auch immer vorhandenen Machtverhältnisse in der Kita hin – zwischen Fachkräften und Kindern (mit der Gefahr des Adultismus), aber auch zwischen Fachkräften und Eltern. Diese gelte es bewusst zu reflektieren und eine „diskriminierungskritische Perspektive“ einzunehmen.
Susanne Gastmann von der Justus Liebig Universität in Gießen unterstrich, dass Fachkräfte und Eltern in der Kita sich ihrer jeweiligen Erziehungs-Präferenzen und Werte bewusst werden müssten, um dann aufeinander zuzugehen. Konflikte entstünden meist dann, wenn unterschiedliche Werte aufeinanderprallen, ohne dass diese explizit gemacht werden.
Marina Lagemann von der Landeselternvertretung in Hessen ergänzte, dass die Werte einer KiTa auch jeweils zu denen der Eltern passen müssten. Dies sei aber beim jetzigen Platzmangel und der fehlenden Wahlfreiheit nicht immer der Fall. Viele Eltern würde es als übergriffig ansehen, wenn Fachkräfte in der KiTa z.B. bei Themen wie Klimawandel, Umweltschutz oder Erziehung ihre Werte und Einstellungen offensiv an die Kinder vermitteln.
Hieran anknüpfend merkte Seyran Bostanci an, dass sich Leitungen und Fachkräfte ihrer Machtposition, die sie qua Berufsprofession und Institution haben, häufig nicht genügend bewusst seien, aber sie dennoch tagtäglich im Kleinen und Großen nutzten – bis hin zur Kündigung des Betreuungsvertrages bei missliebigen oder allzu kritischen Eltern.
Gemeinsam wurde in der Folge diskutiert, welches professionelle Know How Fachkräfte für die gelingende Zusammenarbeit mit Eltern benötigen. Neben dem notwendigen Wissen rund um das Thema wurde zentral die Biographiearbeit benannt, um zu reflektieren, welche Erfahrungen Fachkräfte selbst in der Kindheit gemacht haben und welche Werte ihnen warum wichtig sind.
In einem zweiten Schritt müsse es dann darum gehen, statt auf die Unterschiede mehr auf die Gemeinsamkeiten in den Erziehungsvorstellungen und Werten zu schauen. Wichtig sei, sich vor Augen zu halten, dass alle Eltern immer das Beste für ihre Kinder wollen – und dass es dabei unterschiedliche Wege gebe. Hier sei ein offener Austausch auf Augenhöhe und der Aufbau von Vertrauen unerlässlich – von Tür- und Angel-Gesprächen und Eltern-Cafés bis hin zu Hospitationen von Eltern oder auch Hausbesuchen. Dafür müsse es in der KiTa entsprechende Freiräume geben – und bei Bedarf auch Unterstützung von außen.
Klar hoben die Diskutantinnen aber auch heraus, dass es bei allem Verständnis für andere Erziehungsvorstellungen und Werte von Eltern ebenso wichtig sei, die der eigenen KiTa ernst zu nehmen und klar zu kommunizieren – und ggf auch entsprechende Grenzen zu setzen. Hier müsse Transparenz darüber hergestellt werden, was, warum und wie in der KiTa beim Erziehungsauftrag gehandhabt wird.
Zum Abschluss der regen Diskussion unterstrich Elke Alsago, dass eine gelingende Zusammenarbeit mit Eltern eine Voraussetzung für die gute Entwicklung des Kindes sei. Daher müsse diese eine hohe Priorität haben, hinter der im Zweifel andere Aktivitäten zurückzustehen haben – nicht zuletzt auch, „weil eine gelingende Zusammenarbeit mit Eltern den KiTa-Alltag auf ganz unterschiedlichen Ebenen erleichtert“ und so Ressourcen spart und Stress vermeidet.
Karsten Herrmann
Eine Aufzeichnung dieses KiTa-Dialoges finden sie über den folgenden LINK auf YOUTUBE