Nachfolgend wird der Prozess der letzten Jahre nachgezeichnet, in dem sich die niedersächsischen Fachberater*innen auf den Weg zu einem gemeinsamen Verständnis ihrer beruflichen Aufgaben und Rolle gemacht haben. Ein Meilenstein in diesem Prozess war die Verabschiedung eines „Positionspapiers zum beruflichen Selbstverständnis“, das mit Unterstützung des nifbe in einem partizipativen Prozess zwischen 2015-2017 erarbeitet wurde. Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Niedersächsischen AG für pädagogische Fachberatung auf einem nifbe Fachtag im August 2017. Aktuell hat die AG ein Positionspapier zur Novellierung des NKiTaG und der Verankerung der Fachberatung vorgelegt.
Vorläufer des Prozesses
Als Vorläufer dieses Prozesses sind als erstes die seit Jahren andauernden fachlichen Diskussionen von vielen Fachberater*innen im Rahmen eher informeller Settings und Netzwerkstrukturen zu nennen. Die Fachberater*innen in Niedersachsen diskutierten seit Langem miteinander über ihr berufliches Selbstverständnis und die Notwendigkeit der Verbesserung von Rahmenbedingungen zur weiteren Professionalisierung. Auf kommunaler und regionaler Ebene gibt es ebenfalls seit Jahren Vernetzungsstrukturen unter den Fachberater*innen- was lange Zeit fehlte, war ein landesweites, übergreifendes Setting, innerhalb dessen diese Diskussionen gebündelt und systematisch und zielgerichtet weiterentwickelt werden konnten.
Zweitens arbeitet das nifbe seit 2008/2009 insbesondere auf regionaler und kommunaler Ebene intensiv und systematisch mit den Fachberater*innen zusammen – sei es bei der Planung von Fachveranstaltungen, im Rahmen von Arbeitskreisen und Netzwerken oder der Umsetzung von landesweiten Qualifizierungsinitiativen. Diese Zusammenarbeit hat wechselseitiges Vertrauen hervorgerufen und gestärkt. Gleichzeitig ist innerhalb des nifbe das Bewusstsein für die zentrale Stellung von Fachberatung im Feld der frühkindlichen Bildung gewachsen, insbesondere im Hinblick auf den Transfer als zentrale Aufgabe. Nach und nach hat das nifbe regional übergreifende, landesweite Formate zur Unterstützung von Fachberater*innen eingeführt – speziell auf die Fachberatung zugeschnittene Publikationen und Workshop-Reihen, eine online Wissenslandkarte, Bestandsaufnahmen zu Strukturen von Fachberatung in den Gebietskörperschaften etc.
Der Prozess
Auf dem ersten ausgebuchten Fachtag Fachberatung des nifbe auf der Didacta 2015 in Hannover hatten die teilnehmenden Fachberater*innen die Möglichkeit, sich über die neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen zu Aufgaben und Struktur der Fachberatung zu informieren sowie sich mit anderen Fachberater*innen auszutauschen. In einer vom nifbe organisierten und moderierten Podiumsdiskussion, an der sich Fachberater*innen unterschiedlicher Träger aus Niedersachsen beteiligten, wurde gefragt, was die Fachberater*innen brauchen und darauf bezogen, in wie weit eine Unterstützung durch das nifbe sinnvoll und leistbar ist. Auf dem Fachtag konnte die Notwendigkeit einer gemeinsamen Definition des Professionsverständnisses identifiziert werden. Ein gemeinsames Verständnis von Rolle und Aufgaben der Fachberatung sollte die Grundlage für weitere Schritte auf dem Weg zur Professionalisierung der Fachberatung in Niedersachsen schaffen.
Die an der Podiumsdiskussion beteiligten Fachberater*innen und das nifbe waren sich im Anschluss an den Fachtag darüber einig, dass der hier begonnene, übergreifende Diskurs fortgeführt werden sollte, und bildeten gemeinsam eine sogenannte „Vorbereitungsgruppe“, die weitere Schritte planen wollte, um diese Inhalte voranzutreiben. Die Vorbereitungsgruppe entschied, dass ein nächster landesweiter Fachtag möglichst bald durchgeführt wird.
Der nächste Fachtag fand Anfang Juli 2015 unter Teilnahme von gut 80 Fachberater*innen statt. Anstelle einer externen, wissenschaftlichen Inputs führten die an der Vorbereitung beteiligten Fachberater*innen in den Tag ein und knüpften an Fragestellungen und Diskussionen des ersten Fachtags an. In anschließenden mehrstündigen Arbeitsgruppen wurde zu spezifischen Themen (Steuerung/Beratung, Qualitätsmanagement als Aufgabe von Fachberatung, Beratungsverständnis und Beratungssettings,etc.) diskutiert. Die Vorbereitungsgruppe hatte die Auffassung vertreten, dass auf diesem Fachtag noch einmal die Unterschiede in den Arbeitsbedingungen und Selbstverständnissen thematisiert und für alle sichtbar gemacht werden sollten. Auf der Grundlage des Wissens um diese Unterschiede und der Akzeptanz der unterschiedlichen Sichtweisen sollten dann ein einem weiteren Schritt mögliche gemeinsame Positionen erarbeitet werden. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurde vom nifbe protokolliert und allen teilnehmenden Fachberater*innen zugänglich gemacht.
In der „Vorbereitungsgruppe“ wurden diese Ergebnisse im Herbst und Winter 2015/2016 reflektiert und darauf basierend der dritte Fachtag vorbereitet. Dieser fand im August 2016 unter Teilnahme von 90 Fachberater*innen statt. Nach der Sichtung und Akzeptanz der vielfältigen Unterschiede zwischen den Aufgaben verschiedener Fachberater*innen sollte die Arbeit jetzt auf die Diskussion und Formulierung von Gemeinsamkeiten im professionellen Grundverständnis abzielen. Dazu wurde in Arbeitsgruppen zu folgenden Fragestellungen gearbeitet:
- Welches Verständnis von Fachberatung soll zugrunde gelegt werden und welche Haltung ist damit verbunden (z.B. Vorgabe, Steuerung, Moderation)?
- Wer sollen die Adressat*innen der Beratung sein (z.B. Kita-Leiter*innen, das Team insgesamt, die einzelnen Fachkräfte, die Eltern, die Träger, die Politik?)
- Auf welche Inhalte soll sich die Beratung erstrecken (z.B. auf Qualitätssicherung und -entwicklung, Qualitätsmodelle und -management, Teamentwicklung, Konfliktmanagement)?
- Wie soll Beratung organisiert werden (inwieweit soll die Fachberatung die Beratung lediglich organisieren oder selbst durchführen? Wie soll der Kontakt zu den Einrichtungen organisiert sein? Etc.?)
Das wichtigste Ergebnis des Fachtags war die Vereinbarung, die in den Arbeitsgruppe deutlich werdenden Gemeinsamkeiten zusammenzufassen. Ein demenentsprechend formuliertes Positionspapier wurde in den Monaten danach zunächst an die Teilnehmenden des Fachtags versandt und anschließend allen Fachberater*innen in Niedersachsen per Mail zugänglich gemacht. DA sich nicht alle Fachberater*innen an diesem Prozess von Anfang an beteiligt hatten, wurde ein Text beigefügt, der die Entstehung des Positionspapier beschreibt. Es wurde um Rückmeldung zum Positionspapier gebeten. Die Rückmeldungen waren positiv, es gab einige Ergänzungen, die in der Vorbereitungsgruppe diskutiert und in das Papier eingearbeitet wurden.
Dieses Papier ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Professionalisierung in Niedersachsen. Einen weiteren Meilenstein stellt die Gründung einer „Niedersächsischen Arbeitsgemeinschaft der Pädagogischen Fachberatungen für Qualität in Kitas“ auf einem weiteren nifbe-Fachtag Fachberatung im August 2017 dar. Diese soll das Thema der weiteren Professionalisierung der Fachberatung insbesondere auch auf politischer Ebene und in fachpolitischen Gremien vorantreiben. Grundsätzliches Ziel ist auch, ähnlich wie bei anderen Professionen, die Schaffung einer nachhaltigen Struktur für einen systematischen, partizipativen und fokussierten Diskurs der Fachberater*innen untereinander sowie eine legitimierte Interessenvertretung nach außen.
(Quelle für die Darstellung: Schmidt, M. und Hartwig, J. 2023. Fachberatung in Niedersachsen auf dem Weg zu einem gemeinsamen Professionsverständnis. Die Entstehung der Niedersächsischen Arbeitsgemeinschaft pädagogischer Fachberatung in Kindertagesstätten in „Fachberatung im Aufbruch“, S. 138-143, ausverkauft)
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