Die Diskussionen um vergütete Ausbildungsmodelle nehmen in den Ländern und auch auf Bundesebene weiter zu. Dies zeigt sich u.a. in der zunehmenden Anzahl an Fachveranstaltungen, den politischen Debatten und Initiativen von Trägern, Fachschulen sowie weiterer Akteur/innen.
Dabei stellt sich die Frage: Wie sehen die Entwicklungen derzeit konkret aus? Welche Daten gibt es, aus denen Rückschlüsse über die Bedeutung praxisintegrierter und berufsbegleitender Erzieher/innenausbildungen gezogen werden können? Welche ggf. bedeutsamen Weichenstellungen wurden getroffen?
Die Koordinationsstelle Chance Quereinstieg hat die Daten zur Erzieher/innenausbildung für das Schuljahr 2016/17 und 2013/14 der Statistischen Landesämter im Vergleich ausgewertet. Im Folgenden wird auszugsweise ein Blick auf Entwicklungen in den Ländern gerichtet, in denen praxisintegrierte oder berufsbegleitende Ausbildungen mit einer Dauer von in der Regel drei Jahren auch für Personen ohne fachnahe berufliche Vorbildung möglich sind, denn diese Modelle sind insbesondere für Menschen mit Berufs- und Lebenserfahrung interessant, die einen beruflichen Neustart anstreben, sowie für Personen mit Hochschulreife.
Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
Berlin und Brandenburg
In Hamburg waren 2016/17 26,6 % aller Fachschüler/innen in der berufsbegleitenden Weiterbildung, dies ist eine erhebliche Steigerung gegenüber 2013/14 mit 15,4 %.
Rheinland-Pfalz
Bayern
Bremen
Schleswig-Holstein
Hessen
Zusätzlich fanden an zwei hessischen Standorten des ESF-Bundesmodellprogramms „Quereinstieg – Männer und Frauen in Kitas“ im Schuljahr 2018/19 Verstetigungen statt. In Wiesbaden und Frankfurt am Main startete jeweils ein weiterer Jahrgang mit Mindestvorgaben an die Vergütungshöhe.
Diese vergüteten Ausbildungswege tragen dazu bei, dass die Gewinnung zusätzlicher Zielgruppen gelingt und sich eine heterogenere Schüler/innenschaft in der Erzieher/innenausbildung entwickelt. Zu beobachten ist zukünftig in wie weit auch der Tarifabschluss des öffentlichen Dienstes einen weiteren Beitrag zum Ansteigen der praxisintegrierten Ausbildungsformen (PiA und OptiPrax) leisten wird. Durch die Aufnahme der praxisintegrierten Erzieher/innenausbildung in den Tarifvertrag für Auszubildende im öffentlichen Dienst (TVAöD) – Besonderer Teil Pflege sind die Bedingungen für die Fachschüler/innen hinsichtlich Vergütung, Urlaubsanspruch etc. verbessert worden. Interessant wird sein, ob die freien Träger sich ebenfalls an diesem Tarifabschluss orientieren werden.
Diese Entwicklungen zeigen, dass die vergüteten Formen der Erzieher/innenausbildung (praxisintegriert oder berufsbegleitend) sich zunehmend zu einem relevanten Baustein in der Gewinnung von zukünftigen pädagogischen Fachkräften neben der Vollzeitausbildung etablieren.