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Jedes Kind im Blick

Aufmerksam, zugewandt und verlässlich begleiten

Autorin: Bianca Hausmann

Grafiken: Sybille Heller

Jeder Blick, jedes Gespräch und jede gemeinsame Alltagssituation bieten die Chance, Kinder in ihrer Entwicklung zu stärken. Qualitätsvolle Interaktionen entstehen dabei nicht zufällig. Sie sind Ausdruck einer professionellen Haltung, die Kinder aufmerksam wahrnimmt, ihnen zugewandt begegnet und sie verlässlich begleitet.

„Jedes Kind im Blick“ bedeutet, alle Kinder bewusst wahrzunehmen – die Leisen ebenso wie die Lauten, die Zurückhaltenden ebenso wie die besonders Aktiven, Kinder mit besonderen Unterstützungsbedarfen ebenso wie jene, deren Verhalten wir als herausfordernd erleben. Im Mittelpunkt steht dabei nicht ein bestimmtes Kind oder eine bestimmte Situation, sondern die Frage, wie wir jedem Kind in seiner Individualität begegnen und unser Handeln daran ausrichten können.

Vielfalt und Heterogenität gehören zum pädagogischen Alltag. Kinder bringen unterschiedliche Erfahrungen, Interessen, Voraussetzungen, Bedürfnisse und Ausdrucksweisen mit. Diese Vielfalt bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen, gehört zu den Grundlagen professionellen Handelns.

Warum die Qualität von Interaktionen bedeutsam ist

Qualitätsvolle Interaktionen bilden eine zentrale Grundlage pädagogischen Handelns. In den alltäglichen Begegnungen zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern entscheidet sich, ob Kinder sich gesehen, ernst genommen und sicher begleitet fühlen. Hier werden Beziehungen gestaltet, Interessen aufgegriffen, Gefühle begleitet, Beteiligung ermöglicht und Bildungsprozesse angeregt. Die Qualität dieser alltäglichen Interaktionen ist damit ein wesentlicher Bestandteil pädagogischer Qualität und bedeutsam für das Wohlbefinden sowie die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern (vgl. Becker-Stoll 2018; Schelle 2011).

Dabei kommt der pädagogischen Fachkraft eine zentrale Bedeutung zu. Ihre Wahrnehmung, ihre Deutungen und ihre Art zu handeln, prägen die Qualität der gemeinsamen Situationen. Forschung zu Interaktionen in Kindertageseinrichtungen zeigt, dass insbesondere die Sensibilität für kindliche Signale, die Responsivität der Fachkraft und die Qualität der Beziehungsgestaltung bedeutsam für gelingende Interaktionen sind (vgl. Wertfein, Wirts & Wildgruber 2015; Weltzien 2016).

Professionelle Interaktionsgestaltung bedeutet dabei nicht, für jede Situation eine passende Methode oder eine vorgegebene Antwort bereitzuhalten. Sie zeigt sich vielmehr darin, die jeweilige Situation wahrzunehmen, kindliche Ausdrucksformen und Bedürfnisse zu verstehen und das eigene Handeln daran auszurichten. Dafür braucht es fachliches Wissen ebenso wie die Fähigkeit, Situationen zu analysieren, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und das eigene Handeln zu reflektieren.

Die 14 Impulse des Stickerbogens greifen zentrale Grundprinzipien qualitätsvoller Interaktionsgestaltung auf und übersetzen sie in kurze, alltagsnahe Botschaften. Sie erinnern an kleine Momente, in denen professionelle Haltung konkret wird: beim Zuhören, beim Warten, beim gemeinsamen Erkunden, beim Begleiten von Gefühlen oder dort, wo ein Kind einen anderen Weg einschlägt als erwartet.

Dabei verstehen sich die Impulse nicht als fertige Antworten oder als Checkliste für „richtiges“ pädagogisches Handeln. Sie laden dazu ein, das eigene Wahrnehmen, Deuten und Handeln immer wieder in den Blick zu nehmen und gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die Impulse mitnehmen
Die 14 Impulse gibt es als Stickerbogen „Jedes Kind im Blick“. Für alle, die die kleinen Erinnerungsimpulse auch im pädagogischen Alltag sichtbar machen möchten, ist der Stickerbogen im nifbe-Shop erhältlich.

Erinnern. Reflektieren. Vertiefen.

Die Transferreihe folgt einer einfachen, aber fachlich begründeten Logik: Professionelles Handeln entsteht nicht allein durch Wissen. Es entwickelt sich im Zusammenspiel von fachlichem und reflektiertem Erfahrungswissen, Wahrnehmung und Deutung, professioneller Haltung, konkretem Handeln und der Reflexion eigener Erfahrungen.

Daran knüpft die Transferreihe an:

Erinnern bedeutet, einen Gedanken im Alltag präsent zu halten. Die Sticker machen zentrale Prinzipien sichtbar und geben einen kurzen Impuls für die konkrete Situation.

Reflektieren meint, genauer hinzuschauen: Wie nehme ich eine Situation wahr? Wie deute ich das Verhalten eines Kindes? Was leitet mein Handeln? Und was könnte das Kind selbst erleben?

Vertiefen eröffnet fachliche Zugänge zu den Konzepten und Perspektiven, die hinter den einzelnen Impulsen stehen. Hier finden sich fachliche Hintergründe, Literaturhinweise, weiterführende nifbe-Angebote und Materialien.

Die Gestaltung der Transferreihe orientiert sich dabei am Allgemeinen Kompetenzmodell frühpädagogischer Fachkräfte von Fröhlich-Gildhoff, Nentwig-Gesemann und Pietsch (2011). Das Modell macht deutlich, dass professionelle Kompetenz im Zusammenspiel verschiedener Wissens-, Wahrnehmungs-, Handlungs- und Reflexionsprozesse entsteht und dass professionelle Haltung dabei eine zentrale Querschnittsdimension bildet. Mehr zur fachlichen Grundlage der Transferreihe finden Sie unter „Vertiefen“.

Die Seite wird Schritt für Schritt um weitere fachliche Zugänge, Reflexionsmöglichkeiten sowie Praxis- und Transfermaterialien ergänzt.

Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns weiterzudenken – und dabei jedes Kind im Blick zu behalten.

Weiter mit Erinnern, Reflektieren oder Vertiefen

Niedersächsisches Institut
für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V.
Jahnstraße 79
49080 Osnabrück
Tel: 0541 - 58 054 57 - 0
E-Mail: info@nifbe.de
"Im Mittelpunkt der Arbeit des nifbe steht das Kind in seinem sozialen Kontext und mit seinem Anspruch auf bestmögliche Förderung und Begleitung von Anfang an."
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