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Jedes Kind im Blick: Reflektieren

Vom Nachdenken ins Handeln

Reflexion heißt, genauer hinzuschauen.

Die folgenden Fragen laden dazu ein, die Impulse der Sticker mit dem eigenen pädagogischen Alltag zu verbinden. Sie verstehen sich nicht als Checkliste und auch nicht als Fragen, die „richtig“ beantwortet werden müssen. Vielmehr bieten sie unterschiedliche Zugänge, um die eigene Wahrnehmung, die eigenen Deutungen und das eigene Handeln genauer zu betrachten.

Dabei lohnt sich auch ein Perspektivwechsel: Was könnte ein Kind in dieser Situation wahrnehmen, erleben oder brauchen? Denn wie wir eine Situation wahrnehmen und verstehen, beeinflusst, wie wir handeln – und damit auch, welche Erfahrungen Kinder in der Interaktion machen.

Im Mittelpunkt stehen daher nicht nur die Perspektiven der Kinder, sondern auch das eigene Wahrnehmen, Deuten und Handeln. Sie laden dazu ein, vertraute Routinen zu hinterfragen, neue Perspektiven einzunehmen und pädagogische Situationen bewusster zu gestalten. Viele Fragen beginnen bei der Wahrnehmung einer Situation, greifen unterschiedliche Perspektiven auf und regen dazu an, mögliche Konsequenzen für das eigene Handeln in den Blick zu nehmen.

Die einzelnen Reflexionsimpulse bauen nicht aufeinander auf. Vielleicht spricht Sie eine Frage unmittelbar an, vielleicht entsteht beim Lesen mehrerer Fragen ein neuer Gedanke. Wählen Sie den Zugang, der für Sie gerade passt.

Die Ebene der Selbstreflexion greift dabei einen zentralen Aspekt professioneller Kompetenzentwicklung an. Reflexion findet dabei nicht erst im Nachhinein statt, sondern kann helfen, Wahrnehmung, Deutung und Handeln immer wieder miteinander in Beziehung zu setzen.

Ein möglicher Bezugsrahmen dafür ist der Pädagogischer Zirkel , der Reflexion als Teil eines fortlaufenden Prozesses professionellen Handelns versteht. Mehr dazu und weitere fachliche Hintergründe finden Sie unter Vertiefen.

Und über allem steht die Frage: Wie gelingt es uns, jedes Kind im Blick zu behalten?

Wir machen es in deinem Tempo

  • Woran erkenne ich, welches Tempo ein Kind gerade braucht?
  • Wann orientiere ich mich eher an den Bedürfnissen des Kindes und wann stärker an den Abläufen des Alltags?
  • Welche Signale zeigen mir, dass ein Kind mehr Zeit, Unterstützung oder Abstand braucht?
  • Wie könnte ein Kind mein Tempo in einer Situation erleben?
  • Wo könnte ich einem Entwicklungsprozess mehr Zeit und Aufmerksamkeit geben?
  • Bei welchem Kind möchte ich genauer hinschauen, was sein eigenes Tempo gerade braucht?

Ich bewerte nicht und frage nach

  • Wann merke ich, dass ich mir bereits eine Erklärung für das Verhalten eines Kindes zurechtgelegt habe?
  • Was verändert sich, wenn ich einer ersten Bewertung mit einer Frage begegne?
  • Welche eigenen Erfahrungen, Erwartungen oder Vorstellungen beeinflussen meinen Blick?
  • Was könnte hinter einem Verhalten liegen, das ich zunächst anders deute?
  • Wie könnte das Kind selbst seine Situation oder sein Verhalten beschreiben?
  • Bei welchem Kind möchte ich meine erste Einschätzung noch einmal bewusst überprüfen?

Ich bleibe an deiner Seite

  • Was bedeutet es für ein Kind, mich auch in herausfordernden Situationen als verlässliches Gegenüber zu erleben?
  • Wann fällt es mir leicht, ruhig und zugewandt zu bleiben – und wann wird das für mich herausfordernd?
  • Was könnte hinter einem Verhalten liegen, das mich gerade besonders fordert?
  • Wie erlebt ein Kind meine Begleitung, wenn etwas schwierig wird?
  • Was verändert sich für ein Kind, wenn ich auch in schwierigen Momenten in Beziehung bleibe?
  • Bei welchem Kind möchte ich besonders darauf achten, als verlässliches Gegenüber präsent zu bleiben?

„Ich höre wirklich zu„

  • Was bedeutet es für mich, einem Kind wirklich zuzuhören?
  • Welche Botschaften nehme ich wahr, wenn ein Kind nicht oder noch nicht über Worte kommuniziert?
  • Wann gelingt es mir, einem Kind meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken?
  • Was könnte mir ein Kind mit seinem Blick, seiner Bewegung, seinem Spiel oder seinem Schweigen mitteilen?
  • Wie könnte das Kind die Situation gerade erleben?
  • Wessen Stimme, Ausdrucksweise oder Perspektive nehme ich vielleicht weniger selbstverständlich wahr?

Ich nehme deine Gefühle ernst

  • Woran erkenne ich, was ein Kind gerade bewegt – auch wenn es seine Gefühle nicht in Worte fasst?
  • Welche Gefühle kann ich gut begleiten und welche fordern mich selbst heraus?
  • Wie gelingt es mir, ein Gefühl ernst zu nehmen, ohne jedes daraus entstehende Verhalten gutheißen zu müssen?
  • Was könnte ein Kind in einem Moment brauchen, in dem seine Gefühle viel Raum einnehmen?
  • Wie könnte das Kind meine Reaktion auf seine Gefühle erleben?
  • Bei welchem Kind möchte ich meinen Blick auf seine Gefühle noch einmal bewusster richten?

Ich bin ganz auf deiner Augenhöhe

  • Was verändert sich, wenn ich eine Situation aus der Perspektive des Kindes betrachte?
  • Wann gelingt es mir, mich wirklich auf die Sichtweise eines Kindes einzulassen?
  • Welche körperliche oder sprachliche Nähe unterstützt ein Kind – und wann braucht es eher Abstand?
  • Wie könnte das, was ich gerade sage oder tue, aus Sicht des Kindes wirken?
  • Welche Kinder fordern mich besonders dazu heraus, ihre Perspektive einzunehmen?
  • Wessen Perspektive möchte ich in meinem Alltag noch bewusster in den Blick nehmen?

Du zeigst mir deinen Weg

  • Wann lasse ich mich auf den Weg eines Kindes ein, anstatt einen bestimmten Weg vorzugeben?
  • Welche eigenen Lösungswege erkenne ich vielleicht erst, wenn ich zunächst beobachte?
  • Was könnte eine Wiederholung, ein Umweg oder ein scheinbarer Rückschritt aus Sicht des Kindes bedeuten?
  • Wo erkenne ich eigene Ideen und Strategien eines Kindes, auch wenn sie anders sind als meine?
  • Was kann ich entdecken, wenn ich mich von den Vorstellungen löse, wie etwas „gehen sollte“?
  • Welchem Kind möchte ich noch bewusster zutrauen, mir seinen eigenen Weg zu zeigen?

Du entscheidest mit

  • Wo erleben Kinder in meinem Alltag tatsächlich, dass ihre Entscheidungen etwas bewirken?
  • Welche Entscheidungen treffe ich vielleicht automatisch für Kinder, obwohl sie selbst beteiligt sein könnten?
  • Wie gehe ich damit um, wenn die Entscheidung eines Kindes nicht meiner eigenen Vorstellung entspricht?
  • Wo entsteht echte Mitbestimmung – und wo bleibt sie eher bei einer scheinbaren Wahl?
  • Welche Kinder bringen ihre Vorstellungen selbstverständlich ein und welche Ausdrucksformen von Beteiligung nehme ich vielleicht weniger wahr?
  • Wessen Stimme möchte ich in meinem Alltag bewusster Raum geben?

Ich folge deinem Interesse

  • Woran erkenne ich, was ein Kind gerade wirklich interessiert und beschäftigt?
  • Wie viel Raum bekommen die Interessen der Kinder in unserem Alltag – auch dann, wenn sie nicht zu meinem geplanten Vorhaben passen?
  • Wann lasse ich mich von einem Interesse eines Kindes leiten, anstatt selbst die Richtung vorzugeben?
  • Was kann entstehen, wenn ich mich auf das einlasse, was ein Kind gerade entdeckt, erforscht oder wissen möchte?
  • Welche Interessen eines Kindes habe ich vielleicht bisher übersehen oder zu wenig aufgegriffen?
  • Welches Kind möchte ich noch genauer dabei beobachten, was es gerade interessiert, bewegt und zum Entdecken einlädt?

Ausprobieren gehört dazu

  • Wann halte ich einen Moment länger aus, bevor ich eingreife?
  • Wie viel Raum gebe ich Kindern für eigene Versuche, Umwege und wiederholtes Erproben?
  • Wo neige ich dazu, eine Schwierigkeit schneller zu lösen, als es für das Kind notwendig wäre?
  • Woran erkenne ich, dass ein Kind gerade Unterstützung braucht – und wann meine Zurückhaltung hilfreich ist?
  • Was könnte ein Kind über sich selbst erfahren, wenn es eine eigene Lösung findet?
  • Welchem Kind möchte ich in nächster Zeit noch bewusster Raum für eigene Erfahrungen geben?

Wir können unterschiedlicher Meinung sein

  • Wie gehe ich damit um, wenn ein Kind etwas anders sieht als ich?
  • Welche Sichtweisen lösen bei mir Zustimmung aus – und welche irritieren mich?
  • Was geschieht, wenn ich eine andere Perspektive zunächst verstehen möchte, ohne sie sofort einzuordnen?
  • Wie könnte ein Kind erleben, dass seine Sichtweise von meiner abweicht?
  • Was kann entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderstehen?
  • Welche Perspektive eines Kindes könnte meinen Blick auf eine Situation erweitern?

Lass uns gemeinsam begeistert und neugierig sein

  • Was interessiert mich gerade an den Kindern, mit denen ich arbeite?
  • Wann lasse ich mich von einer Idee, einer Frage oder einer Entdeckung eines Kindes wirklich anstecken?
  • Was verändert sich, wenn ich eine Situation nicht schon zu kennen glaube, sondern mich gemeinsam mit dem Kind auf die Entdeckung einlasse?
  • Welche Kinder eröffnen mir durch ihre Fragen oder ihre Sichtweisen neue Perspektiven?
  • Wo könnte meine eigene Neugier ein Kind darin bestärken, weiterzuforschen und zu entdecken?
  • Über welches Kind möchte ich in nächster Zeit noch etwas Neues erfahren?

Hier ist Zeit zum Wachsen

  • Woran erkenne ich Entwicklung, auch wenn sie leise oder in kleinen Schritten verläuft?
  • Welche Veränderungen nehme ich wahr, wenn ich ein Kind über einen längeren Zeitraum beobachte?
  • Wo erwarte ich vielleicht unbewusst, dass ein Kind schneller vorankommt?
  • Wie könnte sich Entwicklung aus der Perspektive des Kindes anfühlen?
  • Was hilft mir, auch kleine Schritte wahrzunehmen und wertzuschätzen?
  • Bei welchem Kind möchte ich Entwicklung bewusster wahrnehmen, statt vor allem auf das zu schauen, was noch nicht gelingt?

Jedes Kind im Blick

  • Welche Kinder sind in meinem Alltag besonders präsent?
  • Welche Kinder nehme ich schnell wahr – und welche geraten leichter in den Hintergrund?
  • Bei welchen Kindern prägt mich vielleicht besonders das Verhalten, das ich als laut, auffällig oder herausfordernd erlebe?
  • Welche Kinder nehme ich vielleicht vor allem dann wahr, wenn etwas nicht gelingt oder meine Aufmerksamkeit besonders gefordert ist?
  • Was entdecke ich, wenn ich meinen Blick bewusst auf die leisen und zurückhaltenden Kinder richte – und ebenso auf jene Situationen, in denen mir ein Kind oder sein Verhalten besonders viel abverlangt?
  • Was verändert sich, wenn ich meine Wahrnehmung und mein Handeln immer wieder an jedem einzelnen Kind und seiner individuellen Situation ausrichte?

 

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für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V.
Jahnstraße 79
49080 Osnabrück
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E-Mail: info@nifbe.de
"Im Mittelpunkt der Arbeit des nifbe steht das Kind in seinem sozialen Kontext und mit seinem Anspruch auf bestmögliche Förderung und Begleitung von Anfang an."
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