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 „Jeder ist einzigartig und das ist gut so!“

Kitas sind heute so vielfältig wie unsere Gesellschaft – und genau darin liegt ihre Stärke. Ein praxisnahes Fachbuch zeigt, wie pädagogische Fachkräfte Vielfalt in der Kita sensibel gestalten und allen Kindern gleiche Chancen ermöglichen können.

Die Kita ist ein Spiegelbild unserer kulturell immer vielfältiger werdenden Gesellschaft. Der sensible und inklusive Umgang mit Vielfalt zählt daher mittlerweile zu den pädagogischen Schlüsselkompetenzen von Fachkräften. Ziel ist es, Kindern unabhängig von ihrer kulturellen oder sozio-ökonomischen Herkunft in der Kita die gleiche Teilhabe und die gleichen Bildungschancen zu eröffnen. Hilfestellung leistet hier das Buch „Vielfalt in der Kita-Praxis. Von Ankommen bis Zuckertüte“. Das vom Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt LAMSA e. V. herausgegebene Buch soll, wie es in der Einleitung heißt, „gebündelte[s] Wissen aus vielen Jahren Erfahrung in der Beratung und Begleitung von Kita-Teams in ihrer Zusammenarbeit mit Familien“ bieten. Ein Fokus liegt dabei auf Familien mit Zuwanderungsgeschichte und auf der Förderung von Mehrsprachigkeit.

Gleich zu Anfang des Buches wird klargestellt: „Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Sie leben mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen von Erziehung, Familie und Zusammenleben, wenn sie das erste Mal eine Kita betreten.“ Ziel müsse es daher sein, die eigene Kita-Kultur mit den jeweiligen Familienkulturen aktiv in Verbindung zu setzen, um die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider zu finden, zu respektieren und zu feiern. Die neun Hauptkapitel des Buches nehmen neben der Zusammenarbeit mit vielfältigen Familien unter anderem das Ankommen und die Eingewöhnung, eine vorurteilsbewusste Bildung, die Mehrsprachigkeit oder den Übergang in die Grundschule in den Fokus. Weitere Themen sind auch der Umgang in der Kita mit Rassismus oder dem Krieg*. Gerahmt wird das Buch von einer Liste mit für KiTas hilfreichen Institutionen und Initiativen rund um das Thema Vielfalt sowie Tipps und Vorlagen für die Überwindung sprachlicher Barrieren.

„Rassismus tut weh“

Im Kapitel zur vorurteilsbewussten Bildung führen die Autorinnen aus, wie Fachkräfte als Vorbild mit früh einsetzenden Ausgrenzungen und Diskriminierungen unter Kindern umgehen können – von Sprüchen wie „Mädchen können das nicht“ oder „Der ist zu dick“ bis hin zu „Der gehört nicht zu uns“. Wenn Fachkräfte solche Kinderaussagen unkommentiert stehenlassen, ist das ein fatales Signal für die Kinder, die sehr feine Antennen für unterschwellige Vorurteile haben. Daher gilt, mit Kindern über Unterschiede im Aussehen oder auch im Verhalten und Sprechen offen zu reden und ihnen auch gezielt Vielfaltserfahrungen zu ermöglichen. Bei Ausgrenzungen sollten Fachkräfte sowohl die eigene Perspektive als auch die des diskriminierenden und die des diskriminierten Kindes bewusst reflektieren und mit den betroffenen Kindern in das Gespräch gehen. Wichtig ist, sich aber zuerst dem ausgegrenzten Kind zuzuwenden und es zu trösten, denn „Rassismus tut weh, verletzt und erzeugt Leid.“ Letztlich geht es darum, in der Kita die Botschaft zu vermitteln: „Jeder ist einzigartig und das ist gut so!“

Im Hinblick auf Mehrsprachigkeit räumt die Publikation zunächst mit noch immer verbreiteten Mythen auf und unterstreicht, dass es für Kinder kein Problem ist, mehrsprachig aufzuwachsen. Daher sollte auch die Muttersprache sowohl in der Kita wie in der Familie bewusst gewürdigt und gefördert werden, zum Beispiel durch mehrsprachige Familienbibliotheken, mehrsprachige Vorlesenachmittage oder auch eine Beobachtung und Dokumentation von allen Sprachen des Kindes. Die Prinzipien der Sprachbildung und -förderung sind in den verschiedenen Sprachen dabei grundsätzlich gleich. Alltagskommunikation in Deutsch schafft durch nonverbale Kommunikation, Bilder und Piktogramme oder auch durch Bewegungsspiele und -lieder Brücken zwischen Fachkräften und Kindern.

Das Buch punktet mit einem kurzen fachlichen Einstieg in das jeweilige Thema sowie mit konkreten Hinweisen für den Kita-Alltag, Praxistipps, Fakten-Checks, Checklisten, Materialhinweisen und weiterführenden Literaturangaben. So kann es direkt in der Kita-Praxis eingesetzt werden und wichtige Anregungen und Handlungsoptionen für eine diskriminierungssensible Pädagogik sowie die Kita als sicheren Ort für alle Kinder aufzeigen.

Zum Weiterlesen:

Vielfalt in der Kita-Praxis – Von Ankommen bis Zuckertüte. verlag das netz, 136 S., 19,90 €

Karsten Herrmann


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für frühkindliche Bildung und Entwicklung e.V.
Jahnstraße 79
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"Im Mittelpunkt der Arbeit des nifbe steht das Kind in seinem sozialen Kontext und mit seinem Anspruch auf bestmögliche Förderung und Begleitung von Anfang an."
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