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In kritischen Situationen handlungsfähig bleiben

Fachkräfte in KiTas sind in ihrem Alltag stetig mit kleineren und größeren Krisensituationen konfrontiert und hier gilt es handlungsfähig zu bleiben und den pädagogischen Alltag bewusst zu gestalten. Lena Wellen beschreibt in ihrem Buch in mit klarer Alltagsfokussierung kritische Situationen und mögliche Lösungsstrategien für Fachkräfte. Dabei nutzt sie den Dreiklang aus Wahrnehmung, Fragestellung und Reflexionsimpuls.  Zunächst geht es also um die konkrete Wahrnehmung eines Verhaltens (Fallbeispiel), dann um eine Fragestellung an die Situation (z.B. das Verhalten eines Kindes) und schließlich um eine fachliche Reflexion mit Impulsfragen oder Hinweisen zu methodischen Lösungen. Mit diesem Dreiklang beleuchtet die Autorin prägnant und ohne belehrenden Ton unhinterfragte Glaubenssätze von Fachkräften, die Möglichkeit verschiedener Sichtweisen auf Situationen oder auch den Zusammenhang von psycho-sozialer Gesundheit von Kindern und Fachkräften mit einem gelingenden pädagogischen Alltag.

Selbstfürsorge und Stresstoleranz der Fachkraft beeinflussen wesentlich pädagogische Situationen. Der Autorin gelingt es diesen Zusammenhang mit einem Augenzwinkern zu beschreiben und konkret mit Fallbeispielen und mögliche Reaktionsweisen auf kindliches Verhalten zu verbinden. In den Kapiteln „Regeln und Verbote“ und „Konflikte als bedeutsame Interaktionen verstehen“ wird der praxisnahe Einblick, wie eine Situation „anders“ gelöst werden kann, sehr nachvollziehbar. Was ist, wenn Kinder in den Widerstand gehen? Wenn Kinder sich nicht an Verbote halten oder aggressiv reagieren? Wenn Kinder streiten – wird der Konflikt als bedeutsame Interaktion verstanden? Was ist mit Kindern, die wenig oder keine gesprochene Sprache nutzen? Hierzu bieten verschiedene Kapitel Anregungen an. Ein Beispiel sei an dieser Stelle herausgehoben:

„Ab durch die Hecke“

„Ab durch die Hecke“: Zwei Kinder von ca. 4 Jahre spielen besonders gern auf dem Außengelände in den Sträuchern und Büschen im Übergang zu einem Waldstück. Immer wieder klettern sie gemeinsam in unbeobachteten Momenten über den Zaun. Sie schaffen es aber nicht alleine wieder aufs Gelände zurückzuklettern.  Im Zentrum der pädagogischen Intervention steht nun die Frage, warum halten die Kinder sich nicht an die Regel? Anhand des Beispiels zeigt die Autorin auf, wie sich kindlicher Widerspruch zeigt. Durch Körpersprache, Fluchtverhalten, wütende Reaktionen, verbale Äußerungen etc… Wie kann nun erfolgreich vorgegangen werden? Welche Gründe haben die Kinder für ihre Ausflüge in den Wald? Die Kinder beklagen, dass es auf dem KiTa-Spielplatz viel weniger Krabbeltiere gibt, die sie mit der Lupe beobachten können. Und auf der anderen Seite des Zauns sind viel mehr Insekten zu finden. Die Fachkraft überlegt mit den Kindern, wie es gelingen kann mehr Krabbeltiere im Kindergarten beobachten zu können. Mehrere Lösungen bieten sich an, wie zum Beispiel: Käfer im Glas mitbringen oder auch gemeinsam mit der Fachkraft in den Wald gehen. Das Ergebnis: Nach dem Gespräch und der Umsetzung der Vereinbarungen hören die Kinder auf verbotenerweise über den Zaun zu klettern.

Zu solchen Situationen bietet die Autorin Reflexionsfragen an und gibt einen Kurzimpuls zum Thema Partizipation und Interaktion. Darüber hinaus geben fachliche Beschreibungen aus entwicklungspsychologischer Perspektive Fachkräften Entlastung, wenn Eltern oder sie selbst „Druck“ verspüren, zum Beispiel beim Thema „altersangemessenes Verhalten“. „Die Verantwortung der Fachkräfte liegt darin, die Rahmenbedingungen möglichst entwicklungsförderlich zu gestalten und passende Impulse zu setzen.“ (S. 19), konstatiert die Autorin richtig. Ergänzt wird der inhaltliche Teil durch über QR-Code abzurufende PDF-Kopiervorlagen, die leicht verständlich und alltagstauglich für Selbstreflektionen und Teamsitzungen einzusetzen sind

Das Abschlusskapitel: „Transfer gestalten. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ erweckt nach guten Praxisimpulsen den Eindruck, den komplexen tatsächlichen Umsetzungsprozess im KiTa-Alltag zum Abschluss nochmal auf einer anderen Ebene – z.B. als sozialen Prozess – zu reflektieren. Leider bietet das Kapitel nur eine Aufzählung und fünf goldene Regeln und bleibt so hinter den Erwartungen zurück.

Wer kurze Denkimpulse oder eine Handlungsalternative in anstrengenden sich wiederholenden Situationen mit einem Kind sucht, kann mit diesem interaktiv angelegten Buch immer mal wieder alleine oder im Team arbeiten. Man spürt, dass die Autorin viele Fachkräfte kennt und umfangreiche Erfahrungen aus Weiterbildung und Praxisberatung hat. Der Ratgeber endet mit folgendem Statement: „Denn die Welt braucht Menschen wie Sie, die mit Leidenschaft und Engagement die nächsten Generationen begleiten und prägen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Pädagogisch wertvoll?! : In kritischen Situationen handlungsfähig bleiben und Kita sinnvoll gestalten
von Lena Wellen, Verlag an der Ruhr 2025, 19,99 €

Gerlinde Schmidt-Hood

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E-Mail: info@nifbe.de
"Im Mittelpunkt der Arbeit des nifbe steht das Kind in seinem sozialen Kontext und mit seinem Anspruch auf bestmögliche Förderung und Begleitung von Anfang an."
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