
Die Interaktionsqualität zwischen Fachkräften und Kindern gilt als ein zentrales Kriterium für die gesamte KiTa-Qualität. Die qualitätsvolle Gestaltung von Interaktionsgelegenheiten im Alltag steht so auch im Fokus des Beobachtungs- und Reflexionsinstrumentes GInA, das aus einem Praxisforschungsprojekt von Dörte Weltzien und ihrem Team heraus entwickelt wurde. Neben einer GInA-Variante für Forschungs- und Evaluationszwecke haben die drei Hauptautorinnen Dörte Weltzien, Christina Bücklein und Anne Huber-Kebbe ein gleichnamiges Kita-Praxisbuch entwickelt, mit dessen Hilfe die eigene Praxis und die eigenen Interaktionen mit Kindern methodisch aufbereitet in den Blick genommen werden können. Zentral ist dabei ein stärkenorientierter Blick auf sich selbst. Mit Hilfe des Kita-Praxisbuchs soll keine Selbstbewertung vorgenommen werden, sondern vielmehr die eigene Handlungspraxis und damit verbunden die vielen positiven Interaktionsgelegenheiten und Beziehungspotenziale im Alltag (wieder)entdeckt werden. Die methodisch angeleitete Auseinandersetzung mit der eigenen Praxis kann dabei „ein vertieftes Verständnis für die Bedeutung und die Möglichkeiten der Interaktionsgelegenheiten“ (S. 11) schaffen, denn viele dieser alltagstypischen Interaktionen bleiben oftmals im Verborgenen.
Dafür wurden 22 GInA-Merkmale formuliert, die sich auf die drei Skalen Beziehung gestalten, Denken und Handeln anregen sowie Sprechen und Sprache anregen verteilen. Jedes GInA-Merkmal wird dann sehr praxisnah auf vier Seiten in dem Buch ausgeführt. Jede der vier Seiten beginnt jeweils mit einem kurzen Impuls in Form z.B. eines Aphorismus, kurzen Fallbeispiels oder Fotos. Nachdem damit der „Faden“ aufgenommen wurde, folgt immer ein kurzer fachlicher Impuls. Im Anschluss kann man durch vorgeschlagene Fragestellungen an sich selbst die eigene Resonanz zu diesem Interaktionsaspekt reflektieren. Jede dieser Seiten endet mit einem kleinen „Laborversuch“, der z.B. einen weiteren Impuls zur Selbstreflexion, eine kleine Übung oder (Praxis-)Aufgabe enthält.
Im Laufe des Buches finden sich somit zahlreiche kurze Gedankenanstöße, die helfen können, die eigene Interaktionsgestaltung im Alltag zu überdenken und bewusster zu gestalten. Dabei sind die GInA-Merkmale sehr ansprechend formuliert und heißen beispielsweise Wertschätzung ausdrücken, Verstehen ausdrücken, Autonomie anerkennen, Forschen anregen oder Beteiligung und Kooperation fördern. In einer „Gebrauchsanleitung“ für das Buch gleich zu Beginn wird darauf hingewiesen, dass man das Buch und seine 22 Merkmale nicht strukturiert abarbeiten muss, sondern genauso gut mit Schwerpunkten oder einzelnen Merkmalen beginnen kann, die einen selbst gerade ansprechen, was die Motivation erhöht. Die Aufmachung des Buches ist dafür sehr geeignet und es lädt zum Schmökern und Herumblättern ein. Ergänzend können auf der Verlagsseite für die Team-Arbeit kostenfrei GInA-Karten zu den einzelnen Merkmalen heruntergeladen werden.
Mittlerweile gibt es darüber hinaus von Dörte Weltzien und Anne Huber-Kebbe ein separates Kartenset, das zusätzlich erworben werden kann. Diese stabilen Pappkarten gehen inhaltlich deutlich über die Karten im Download hinaus, da sie neben einer kurzen Einleitung zu jedem Merkmal offen formulierte Reflexionsfragen beinhalten, die auf der ICH-, DU- und WIR-Ebene liegen und somit die eigene Selbstreflexion mit dem gemeinsamen Austausch im Team wertvoll anregen können. Die Reflexionsimpulse aus dem Buch werden damit sinnvoll erweitert.
Ergänzend zu dem 22 GInA-Merkmalen wird die Darstellung der drei dazugehörigen Skalen im Buch jeweils durch einen Exkurs im Buch abgegrenzt. Diese Exkurse machen auf die Vorzüge und Potenziale der Videografie aufmerksam. Kurz werden die wichtigsten Grundlagen zur niedrigschwelligen Umsetzung an die Hand gegeben und im Verlauf der Exkurse immer spezifischer auf die Arbeit mit den GInA-Merkmalen und der Arbeit im Team bezogen.
Insgesamt legen die Autorinnen ein gut aufgearbeitetes und niedrigschwellig zugängliches Buch vor. Sowohl alleine als insbesondere zusammen mit dem Kartenset ermöglicht das Buch eine praxisnahe und gezielte Auseinandersetzung mit der Interaktionsgestaltung und dem Erkennen von Interaktionsgelegenheiten im KiTa-Alltag.
Weltzien, Dörte, Bücklein, Christina & Huber-Kebbe, Anne (2024): GInA. Gestaltung von Interaktionsgelegenheiten. Eine Kita-Praxisbuch. Neuausgabe. Freiburg (Brsg.): Herder.
Weltzien, Dörte & Huber-Kebbe, Anne (2024): GInA. Gestaltung von Interaktionsgelegenheiten. Das Kartenset: Impulse für die Kita. Freiburg (Brsg.): Herder.
Peter Keßel