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Fachberatung mit Transfer-Auftrag und Lotsen-Funktion

Veröffentlicht:
1. September 2026

Auf dem 13. nifbe-Fachtag Fachberatung mit über 100 Teilnehmer*innen stand unter dem Motto „Navigieren im Dschungel“ der Transfer von neuem Wissen als Grundlage der Qualitätssicherung und -entwicklung im Fokus. Moderiert wurde der Fachtag im Hannoveraner Stephansstift von nifbe-Transfermanagerin Iris Hofmann.

In seinem Grußwort skizzierte der nifbe-Vorstandvorsitzende Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger die vielfältigen Herausforderungen für Fachberatung in einem sich dynamisch entwickelnden Feld mit einer „Vielzahl von gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien sowie neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Für KiTas, aber auch für Träger und Politik nähme Fachberatung dabei eine „Lotsenfunktion“ ein und habe den „Kompass in der Hand“. Sie biete Orientierung und sei eine „Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis“. Kai-Uwe Kühnberger betonte, dass Wissen immer auf den Kontext der Zielgruppe zugeschnitten und anschlussfähig sein müsse“ und auch immer ein wechselseitiger Prozess sei. Der nifbe-Vorstandsvorsitzende unterstrich: „Fachberatung ist ein Motor für die Qualitätssicherung und -entwicklung im Feld der frühkindlichen Bildung. Dafür braucht sie aber auch eine verbindliche rechtliche Verankerung und Refinanzierung durch das Land bzw. den Bund.“

Transfer als Kernaufgabe

Im Auftaktvortrag beleuchteten die nife-Transfermanager*innen Jörg Hartwig und Mirela Schmidt in einem „kreativen Gemeinschaftsvortrag“ die Bedeutung des Transfers für die Fachberatung. Auch wenn der Transfer in wissenschaftlichen Studien und Aufgabenprofilen selten explizit genannt werde, sei er „die Kernaufgabe von Fachberatung“ – denn Qualitätssicherung und -entwicklung im KiTa-Feld finde zentral durch Wissenstransfer statt.

Jörg Hartwig stellte in der Folge das grundsätzliche Transferverständnis im nifbe dar, wie es auch in einem im letzten Jahr verabschiedeten Transferkonzept festgehalten ist. Demnach hat Transfer das Ziel relevantes Wissen zu übertragen und „ist als ein sozialer Prozess zu verstehen“. Soziale Prozesse seien dabei per se durch Wechselseitigkeit und dialogische Aushandlung gekennzeichnet. Die ursprünglichen Wissensbestände würden daher auch niemals 1:1 übertragen, sondern „transformiert“. Als ineinandergreifende Dimensionen von Transfer markierte Jörg Hartwig die „Verbreitung“ von Wissen beispielsweise über Newsletter, Vorträge oder Fachbeiträge und die „Verankerung“ von Wissen, die insbesondere durch längere Qualifizierungen möglich wird und eine nachhaltige Veränderung von Praxis bewirkt.

Im Hinblick auf die Fachberatung führte Mirela Schmidt drei zentrale Bestandteile von Transfer an:

  • Transfergegenstände
  • Transferstrukturen
  • Transferprozesse

Transfergegenstände könnten dabei (neue) Wissensbestände rund um KiTa, Sozialraum, Träger,  Politik und Gesellschaft sowie pädagogisches Fach- und Managementwissen sein. Wichtig für Fachberatung sei dabei „nicht alles zu wissen, aber zu wissen, wo das Wissen zu finden ist“ und sich entsprechend auch zu vernetzen und auf dem Laufenden zu halten. Die allgemeinen Transferstrukturen im Feld reichen, so Mirela Schmidt, von der Mikroebene wie KiTa und Sozialraum über die Kommune mit Jugendamt, Fachschulen und Weiterbildung bis zu der Makroebene von Land und Bund. Jeweils speziell sei die Transferinfrastruktur beim Träger, die beispielsweise vom Auftrag, dem Fachberatungs-KiTa-Schlüssel, den Weiterbildungstagen für KiTas oder dem Weiterbildungsbudget abhänge. Interne Instrumente für Transfer seien zum Beispiel Newsletter, Leitungsrunden oder Studientage. Für den Prozess kennzeichnete das Referent*innen-Duo den „Vertrauensaufbau und die Vertrauenspflege“ sowie „Geduld“ als entscheidend und resümierte: „Um Wissen nachhaltig zu verankern werden umfangreiche Ressourcen und Kontinuität benötigt“.

Blick in den Alltag einer Fachberaterin

Wie der Transfer im Alltag einer Fachberaterin insbesondere strukturell verankert werden kann, zeigte in einem sich anschließenden Praxisimpuls Gertraud Hollegha von der Landeshauptstadt Hannover auf. Zusammen mit 4,5 Kolleg*innen betreut sie dort als Fachberaterin und Regionalleitung 41 Einrichtungen mit insgesamt 163 Gruppen. Der (wechselseitige) Transfer findet hier über ein differenziertes System von regelmäßigen Dienstbesprechungen und Austauschrunden für Leiter*innen und Stellvertretende Leiter*innen sowie Workshopreihen für die Führungsebene statt. KiTa-Teams werden beispielsweise über Studientage, Teilnahme an Dienstbesprechungen in der KiTa und ggf inhaltlichen Input oder auch Krisenintervention sowie Fortbildungsangebote erreicht. Abgerundet werden die Transferstrukturen durch Qualifizierungsreihen für neue Mitarbeiter*innen, in denen insbesondere pädagogische Grundlagen und Leitbilder für die Arbeit in Hannoveraner KiTas oder Familienzentren vermittelt werden sowie durch themenspezifische AG’s.

Kritisch räumte Gertraud Hollegha ein, dass nach Studientagen und Team-Fortbildungen noch immer „große Verpuffungseffekte“ festzustellen seien: „Nach anfänglicher Begeisterung und Motivation fällt man leicht wieder in den alten Trott“. Ziel ihres Fachberatungsteams sei es daher, die FoBi-Inhalte „stärker in den Routinen aufzugreifen und die Formate grundsätzlicher stärker zu verschränken“.

In einer von nifbe-Transfermanager*innen gestalteten Workshoprunde konnten sich die Fachberater*innen dann konkret über den zielgruppenspezifischen Transfer austauschen – z.B. im Hinblick auf KiTas, Träger, Politik oder auch Wissenschaft. Hier wurde an vielen Stellen noch einmal deutlich, wie heterogen die Aufgabenprofile und Schwerpunkte von Fachberatung sind und wie unterschiedlich daher auch häufig in der Praxis verfahren wird.

Unübersichtliche bildungspolitische Gemengelage

In einem abschließenden Talk zeigten nifbe-Geschäftsführer Marcus Luttmer und nifbe-Referent Peter Keßel schlaglichtartig die vielfältigen Entwicklungen rund um KiTa auf Landes- und Bundesebene auf. Im Hinblick auf das als Referentenentwurf vorliegende Startchancen- und  Qualitätsentwicklungsgesetz des Bundes sah Marcus Luttmer Licht und Schatten: Einerseits würden hier ambitionierte Standards beispielsweise für Fachberatung formuliert, andererseits drohe hier aber das ganzheitliche Bildungsverständnis durch die Fokussierung auf einzelne Basiskompetenzen und entsprechende verpflichtende Sprach- und Entwicklungstand-Test unterminiert zu werden. Einen „weitreichenden Paradigmenwechsel“ sah der nifbe-Geschäftsführer im SGB VIII-Strukturreformgesetz, mit dem der individuelle Anspruch auf Unterstützung von Kindern und Eltern ausgehebelt und u.a. in die Strukturen der KiTa verlagert werde – ohne diese mit entsprechenden größeren Ressourcen auszustatten. Auf Landesebene gingen Marcus Luttmer und Peter Keßel auf das im Rahmen eines EU-„TSI“-Projektes von UNICEF entwickelte „Rahmenmodell zur Stärkung pädagogischer Qualität in der Elementaren Bildung“ ein, mit dem insbesondere auch die Vermittlung von Basiskompetenzen und die Reflexivität von Fachkräften weiterentwickelt werden soll. Die Ergebnisse des von einem Fachbeirat aus Weiterbildung und Wissenschaft intensiv begleiteten Projektes werden an diesem Freitag auf einer Tagung in Hannover vorgestellt und sollen Reformimpulse für das Feld geben. Dies ist auch das Ziel einer Überarbeitung der Rahmen-Curricula des Landes für KiTa-Leiter*innen und Fachberater*innen sowie der sich in der Entwicklung befindlichen „Leitlinien für Fachberatung“ im Hinblick auf die Qualitätsentwicklung in KiTas.

Keine Prognose wollte Marcus Luttmer zu der Frage abgeben, ob die große Reform des NKiTaG tatsächlich und trotz Landtags-Wahlkampf wie angekündigt im nächsten Jahr umgesetzt werde. Keine konkreten Pläne scheine es derzeit allerdings für eine Überarbeitung des mittlerweile 20 Jahren alten Niedersächsischen Orientierungsplanes zu geben. Resümierend fasste Marcus Luttmer zusammen, das auf Bund- und Länderebene „gerade sehr viel im Schwange ist, dass aber noch nicht klar ersichtlich ist, wohin die Reise gehen soll.“

Karsten Herrmann

Download Präsentation:

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"Im Mittelpunkt der Arbeit des nifbe steht das Kind in seinem sozialen Kontext und mit seinem Anspruch auf bestmögliche Förderung und Begleitung von Anfang an."
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