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Visionsarbeit: Einfach bezaubernd

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Kita-Teams haben immer mal wieder Durststrecken. Dann fällt nur noch auf, was nicht geht oder schlecht läuft. In solchen Situationen kann Visionsarbeit helfen. Sie lässt Bilder eines idealen Kita-Alltags vor dem inneren Auge entstehen – und das weckt Tatendrang

Als Kita-Leiterin im element-i Kinderhaus Regenbogenhaus in Stuttgart hatte ich immer eine Vorstellung davon, wie es in unserer Kita aussehen, wie sich unsere Zusammenarbeit im Team anfühlen und was jedes Kind hier mitnehmen sollte. Das war meine persönliche Vision einer idealen Kita. Diese Vision integrierte unsere pädagogische Konzeption, ging aber darüber hinaus, indem sie sie emotional erlebbar machte.

Eine gemeinsame Vision?

Jahrelang arbeitete ich auf dieses innere Bild hin, bis mir aufging: Vielleicht sehen die Visionen einer idealen Kita bei meinen Mitarbeiter:innen ja ganz anders aus. Wie können wir gemeinsam vorankommen, wenn wir alle in anderen Vorstellungswelten leben? Mir war klar: Wir benötigen eine gemeinsame Vision. Schließlich gestalten wir zusammen den Kita-Alltag für die Kinder.

Daher startete ich ein Visionsprojekt. In den darauffolgenden Wochen stellte in der Teamsitzung jeweils eine Person ihre Vision vor. Da das Kinderhaus klein war und unser Team nur aus sechs Personen bestand, ließ sich das in einer überschaubaren Zeit umsetzen. Zu den Ausführungen der einzelnen Teammitglieder waren nur Verständnisfragen zugelassen. Wertende Kommentare, wie „das ist aber komisch, was du sagst“ gab es nicht.

Kein Selbstläufer

Zugegeben: Für dieses Projekt musste ich Überzeugungsarbeit leisten. Vielleicht ein bis zwei Personen im Team fanden, dass das eine gute Idee sei. Die anderen stöhnten über die zusätzliche Arbeit und fanden es anstrengend, sich in dieser Weise mit sich selbst auseinanderzusetzen und die Ergebnisse auch noch verschriftlichen zu müssen.

Ich bat sie, sich einfach mal darauf einzulassen. Es ist übrigens Teil meiner Vision, dass wir die Offenheit haben, Dinge auszuprobieren, auch wenn wir noch nicht genau absehen können, wohin uns das führt. Ich denke, die Teammitglieder haben es nicht bereut, mitgemacht zu haben. Die Visionsarbeit hat eine sagenhafte Dynamik im Team erzeugt und die Qualität unserer Arbeit spür- und messbar verbessert.

Auf einen Blick: VORSTELLEN UND VORSTELLUNGEN
Jedes Teammitglied setzte sich mit folgenden Fragen auseinander und brachte die Ergebnisse zu Papier:
● Warum bin ich Kita-Pädagogin oder -Pädagoge geworden? Was reizt mich an dem Beruf?
● Was wäre ein perfekter Kita-Alltag für die Kinder?
● Was wäre ein perfekter Kita-Alltag für mich als Pädagogin oder Pädagoge?
● Was erwarte ich von meinen Kolleginnen und Kollegen?
● Als Teamleiterin bearbeitete ich statt der letzten die folgenden Fragen: Was erwarte ich von meinem Team?
● Was erwarte ich von mir in meiner Rolle als Leitung?

Bilder im Kopf erzeugen

Die Visionen berührten die anderen, besonders dann, wenn es gelang, sie bildhaft erlebbar zu machen. Ein Teammitglied stellte zum Beispiel diese Vision vor:

„Unsere morgendliche Kinderkonferenz findet im Garten statt. Dafür gibt es dort Baumstümpfe zum Sitzen – an kälteren Tagen liegen Sitzkissen bereit. Im Herbst brennt, wenn die Kinder kommen, schon ein Feuer in der Feuerschale. Mit roten Wangen trinken die Kinder ihren Tee. Es gelingt uns, eine warme, vertraute Atmosphäre zu schaffen, die die Kinder einhüllt und die sie in den Alltag mitnehmen.

Wir setzen uns vermehrt mit Naturpädagogik auseinander. Wir kennen uns gut mit Kräutern und Naturzusammenhängen aus und leben mit den Jahreszeiten. Im Frühjahr bepflanzen wir unsere Hochbeete. Wir haben alle Bildungsbereiche im Garten verankert und bieten Impulse drinnen wie draußen an. Wir wählen Spielmaterialien bewusst aus und legen den Fokus auf solche, die zu fantasievollem Spiel anregen. Die Kinder bewegen sich frei und sicher im Wald, denn regelmäßige Waldtage gehören selbstverständlich zum Alltag. Die Kinder haben immer Priorität.

Im Team zählt das Wort. Wir können uns aufeinander verlassen, wissen, wer welche Ressourcen mitbringt, und nutzen sie. Alle nehmen ihre Aufgaben ernst, sind sich ihrer Verantwortung bewusst, besitzen eine hohe Eigenmotivation und tragen zum Gelingen und zur Weiterentwicklung bei, sodass wir gemeinsam immer besser werden. Wir fühlen uns dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet und gehen bewusst mit Ressourcen um. Letztlich geht es um die Frage: Wie wollen wir leben?“

Viele Vorstellungen = eine Vision

Nachdem alle ihre Vision vorgestellt hatten, waren wir zunächst beeindruckt, wie ähnlich sich unsere Bilder waren. Das mag auch daran liegen, dass wir als Team das Kinderhaus gemeinsam aufgebaut und schon einige Jahre zusammengearbeitet hatten.

Anschließend schauten wir detailliert, welches die Aspekte sind, die uns verbinden und auf die wir uns sofort einigen können. Dann sahen wir uns die restlichen Themen an. Die Person, die ein Thema eingebracht hat, erläuterte noch einmal, warum es ihr so wichtig ist und warum es einen Platz in unserer gemeinsamen Vision verdient. Der ein oder andere Aspekt ist auch rausgefallen, da er für das betreffende Teammitglied doch nicht so entscheidend war. Auf diese Weise entstand aus den vielen Einzelvisionen schließlich eine große gemeinsame Vision.

Diese Arbeit hat uns als Team zusammengeschweißt. Wir haben uns mit uns selbst und unserer Biografie beschäftigt, uns gegenseitig noch besser kennengelernt und wussten hinterher, was den anderen bei ihrer Arbeit wirklich wichtig ist. Wir haben uns klar gemacht, dass wir den Alltag in der Kita selbst erschaffen und dass wir ihn nach unseren Bildern gestalten und verändern können. Das stärkte die intrinsische Motivation erheblich und wirkte wie ein Booster für unsere Kita-Qualität.

Unsere Arbeitsqualität stieg nachweislich: Wir legten Hochbeete an, führten mit Brutkasten und Hühnerstall ein Hühner-Projekt durch, schafften hochwertige Spielmaterialien für unsere Räume an und befreiten uns weitgehend von Plastik, unternahmen vermehrt Ausflüge, schufen Begegnungsräume für Eltern und stärkten den Erfahrungsaustausch unter den Familien.

Unser Engagement schlug sich auch im jährlichen Qualitätsaudit nieder. Wir erzielten mit 4,7 von 5 Sternen ein Top-Ergebnis. Und ich hatte genau das erhalten, was ich in meiner Vision formuliert hatte: ein Team, dem ich vertrauen kann, das selbstwirksam ist, Verantwortung übernimmt, und mit dem ich in einem guten Austausch stehe.

Nachhaltigkeit sicherstellen

Vorsicht ist allerdings auch geboten: Es ist gut, den Elan zu nutzen, der aus der Visionsarbeit erwächst. Doch sollten wir nicht zu perfektionistisch sein. Ein zu hohes Leistungslevel ist auf die Dauer nicht durchzuhalten. Für die Leitung ist Augenmaß gefragt und eine ehrliche Antwort auf die Frage, was jede einzelne Person im Team realistischerweise leisten kann. Gleichzeitig ist es Leitungsaufgabe, die Motivation hochzuhalten und die vereinbarten Themen und Maßnahmen immer wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Sonst versanden sie im anstrengenden Alltag zwischen Eingewöhnungen, Festen und Personalwechsel schnell.

Fazit

Mit Visionsarbeit gelingt es, den Zauber der Pädagogik wieder ins Bewusstsein zu rücken. Das ist vor allem in Zeiten mit Personalengpässen, in denen oft ein negativer Blick die Oberhand gewinnt, ein gutes Korrektiv. Schließlich haben wir einen unglaublich wichtigen und wunderschönen Beruf! ●

Übernahme des Beitrags mit freundlicher Genehmigung aus
Praxis Kitaleitung 1-2025, S. 40-42

Veröffentlicht:
3. Februar 2026

Soziale Arbeit, Prozessbegleitung/Qualitätssicherung, momentan im element-i Kinderhaus Spatzennest in Stuttgart. Mentorin und Leitung der Praxiscoaches


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