„Denn sie wissen (nicht), was sie tun“
Ein Kommentar von Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten
1. Kontexte: Ganze Menschen im ganzen Leben, ganze reflektierte Menschen, ganze große und kleine Menschen, also Mädchen und Jungen, Mütter und Väter, Schülerinnen und Schüler, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Studierende und Studierte bevölkern und gestalten unsere KiTas, Schulen, Universitäten und Hochschulen, eben unser ganzes Leben. Überall gibt es ungleiche Verteilungen: Zu viele Männer in DAX-notierten Führungsetagen, zu viele Frauen im Einzelhandel, zu viele Männer im Fußball und eben auch zu viele Erzieherinnen. Nach 21 Jahren institutionalisierter Frauengleichstellungsarbeit in einer Universität sind nationale und internationale Daten und Mechanismen des Doing Gender bestens bekannt. Die zweite Welle der Frauenbewegung seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat eine Vielzahl von Erkenntnissen über Frauen-(Sozial- und Erziehungs-)Berufe bewirkt. Das nur zur Erinnerung.
2. Im Elementarbereich noch relativ neu entdeckt: Zu viele Mütter und Erzieherinnen begleiten Mädchen und Jungen in ihrem Aufwachs- und (Selbst-)Bildungsprozess – als wäre dies in der jüngeren Geschichte Deutschlands, in den letzten 150 Jahren und in West und Ost durchaus ähnlich, etwas Neues.
Neu ist doch wohl nur eines: Erst die 3. Bundesfachtagung 2011, erst der zweite Appell: „Mehr Männer in KiTas“ auch 2011. Und im Männermanifest der Grünen formulieren diese 2010 erstmals: „Wir wollen role models aus Sport, Medien, Politik und Kultur, die nicht den Macker spielen müssen, weil sie eben selber stark genug sind, auch schwach sein zu dürfen. Wir wollen mehr geschlechtersensible Männer in „klassischen“ Frauenberufen: mehr Erzieher, mehr Grundschullehrer, mehr Sozialpädagogen. Und wir wollen, dass Jungen selbstbewusst ihren Interessen nachgehen können und nicht in tradierte Schemata gedrängt werden. Wir sind Grüne Feministen und haben gute Erfahrungen gemacht, Macht und Einfluss zu teilen. … Wir sind keine Dinosaurier mehr… Wir wollen weniger Leistungsdruck, bessere gesundheitliche Prävention und mehr wertvolle Zeit… Wir wollen Macht, Verantwortung und Pflichten teilen und das Korsett alter Geschlechterrollen von uns reißen. Wir wollen neue Perspektiven für Männer im 21. Jahrhundert!“ So differenziert und eindeutig ist die Diskussion für den Elementarbereich noch lange nicht.
3. Gleiche Rechte – gleiche Pflichten. Männer in KiTas als Programm: Soziale und geschlechtergerechte Bildung und Erziehung mit Mädchen und Jungen und Männer in KiTas ist nicht mehr, aber auch nicht weniger als Rechtsverwirklichung des Grundgesetzes und nachfolgender Gesetze wie des SBG VIII, Kinder und Jugendhilfegesetz.
4. Für eine nachhaltige und reflektierte, zukunftsfähige, professionell-fachliche Ausgestaltung sind noch vielfältige Lern-, Aufmerksamkeits-, Definitions-. Reflektions- und Machtverteilungsprozesse zu denken und neu zu handeln. Dies jedenfalls können Männer von Frauen und mit Frauen lernen. Dann nämlich besteht die Chance: „Alle wissen gemeinsam, was sie tun“.

Lehrgebiete:
- Sozialdidaktik
- Gender Studies
- Sozialmanagement
Forschungsinteressen:
Eigenforschung in Promotionen und Habilitation und Drittmittelforschung schwerpunktmäßig auf personenbezogene Dienstleistungsberufe in Bildung, Erziehung, Soziales, Gesundheit und Pflege fokussiert sowie Professionalisierungsforschungen, interkulturellen Genderstudien und Lehre und Forschung zu Prozessen des Managens des Sozialen
wichtige Publikationen:
Sozialdidaktik – Zum Eigensinn didaktischer Reflexion in den Berufsausbildungen für soziale und sozialpädagogische (Frauen-) Berufe. 2004
Personenbezogene Dienstleistungen auf dem weg in die Zukunftsfähigkeit. In: Fegebank, B./ Schanz, H. (Hrsg.): Arbeit-Beruf-Bildung in Berufsfeldern mit personenorientierten Dienstleistungen. 2004
Reform oder Ende der Erzieherinnenausbildung? – Beiträge zu einer kontroversen Fachdebatte. S. 133-148. Diller, Angelika / Rauschenbach, Thomas (Hrsg.)
Wissen- können- tun: Forschen von und für Erzieherinnen als professionsbedeutsame Herausforderung in diesen personenbezogenen, sozialen Frauenberufen. Expertise im Rahmen der P.i.K.- Initiative der Bosch-Stiftung, erarbeitet für das Teilprojekt Dresden. Bosch- Stiftung. Stuttgart. 2008
Gendermainstreaming. In: Otto, H. U./ Thiersch H. ( Hrsg) Handbuch Sozialarbeit/ Sozialpädagogik. München/ Basel. 2008
Mitgliedschaften
Forschungskooperation und interdisziplinäre Zusammenarbeit, u.a.:
• Durchführung von Forschungsprojekten auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sowie finanziert durch Stiftungen und Ministerien,
• Regelmäßige Kooperation mit Ver.di Bundesverwaltung, Fachbereich: Kinder- und Jugendhilfe, seit 1996,
• Kooperationen im Kontext des Bundeskongress: Soziale Arbeit, Deutsche Gesellschaft für Erziehungswissenschaften ( DGfE ), European centre of community education (ECCE) und thematischer Schwerpunktes der Sokrates- Comenius- Leanardo- Programme
Fachgesellschaftliche Netzwerke und fachpolitische Foren: Hochschule, Wissenschafts- und Hochschulpolitik, Sozialpolitik, Frauenpolitik, u.a.
• Kommission Sozialpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE),
• Kommission Frauenforschung in der DGfE
• Sprecherinnenrat des Bundeskongress Soziale Arbeit
• Beirat: BA- Soziale Arbeit, MA Soziale Arbeit online (BASA- und MAPS-online)
• Beraterin des Netzwerkknoten NON des NIFBE: Niedersächsisches Forschungsinstitut für Bildung und Erziehung im Kindesalter
Akkreditierung
• Seit 2003 peer in Akkreditierungsprozessen der Fachagentur: AHPGS: Akkreditierungsagentur (für Heil-, Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe)
• Seit 2006 berufenes Mitglied in der Akkreditierungskommission der AHPGS
Universitäre Selbstverwaltung, u.a.
• Frauenbeauftragte der gesamten Universität Lüneburg von 1991-2005
• 1996/97-2008 Studiengangskoordinatorin und Studiengangsleitung: Lehramt an Berufsbildenden Schulen, Fachrichtung Sozialpädagogik,
• seit 2006 Studiengangsleitung für die Diplom Studiengänge Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaft
• seit 2005 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät I: Bildungs-, Kultur- und Sozialwissenschaften der Leuphana- Universität Lüneburg
• August 2007 beteiligt am 1. Pilotprojekt der Studierendenauswahl in den Studiengängen Sozialarbeit/ Sozialpädagogik und Wirtschaftspsychologie
• bis 2008 Studiendekanin der Fakultät I: Bildungs-, Kultur- und Sozialwissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg