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Die Kita-Leitung als Coach

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Fragen stellen und auf Augenhöhe miteinander Wege finden, um sich weiterzuentwickeln – kann so Mitarbeiterleitung aussehen? Wir sagen Ja und zeigen Inhalte auf, wie die Kita-Leitung mit einer coachenden Haltung agiert.

Aus meiner Erfahrung als ehemalige Kita-Leitung weiß ich, wie sehr sich die Anforderungen in den letzten beiden Jahrzehnten verändert und weiterentwickelt haben. Die Fülle an Aufgaben und die damit verbundenen Hürden sind erheblich gewachsen. Als Prozessbegleiterin und Coach mit über 20 Jahren Erfahrung als systemischer Coach kann ich heute klar sagen, dass eine erfolgreiche Leitung einer Kita weit mehr erfordert als nur organisatorisches Geschick und Fachwissen. Die Kita-Leitung muss meiner Auffassung nach, zunehmend auch als eine Art Coach agieren – ein Rollenverständnis, das es ihr ermöglicht, ein starkes, engagiertes Team zu formen, individuelle Stärken zu fördern und gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften eine Umgebung zu schaffen, in der Kinder bestmöglich betreut und gefördert werden.

In diesem Beitrag beleuchte ich, wie die Prinzipien des Coachings die Führungsarbeit in Kitas bereichern können und welche konkreten Kompetenzen eine Leitungsperson benötigt, um in dieser Rolle erfolgreich zu sein.

Was ist ein Coach?

Ein Coach ist eine Person, die Menschen dabei unterstützt, ihre persönlichen oder beruflichen Ziele zu erreichen, ihr Potenzial zu entfalten und Herausforderungen zu meistern. Coaching ist ein Prozess, bei dem der Coach (in meiner Übertragung somit die Kita-Leitung) gemeinsam mit dem Klienten (auch Coachee genannt, in meiner Übertragung jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter, also die pädagogische Fachkraft) daran arbeitet, Klarheit zu gewinnen, Hindernisse zu überwinden und konkrete Schritte in Richtung der gewünschten Veränderung zu unternehmen.

Mit Blick auf diese Erläuterung ist Coaching ein ziel- und lösungsorientierter Ansatz, der darauf abzielt, die individuellen Fähigkeiten und Ressourcen des Coachees (der pädagogischen Fachkraft) zu mobilisieren. Es geht darum, die pädagogische Fachkraft dabei zu unterstützen, ihre eigenen Lösungen zu finden und ihre Ziele zu erreichen, anstatt ihr vorgefertigte Antworten und Lösungen zu geben.

Ein wichtiger Aspekt des Coachings ist dabei die „partnerschaftliche Beziehung“ zwischen Coach und Coachee. Der Coach schafft einen sicheren und vertrauensvollen Rahmen, in dem der Coachee offen über seine Ziele, Herausforderungen und Bedenken sprechen kann. Durch gezielte Fragen, Reflexion und Feedback hilft der Coach dem Coachee, neue Perspektiven zu gewinnen und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Um dies in einer Kita zu ermöglichen, braucht die Leitungskraft eine gute Trennschärfe ihrer Rollen: Kita-Leitung/Coach, ein gutes Nähe- und Distanzverhältnis zu den pädagogischen Fachkräften und eine dialogische Grundhaltung.

Kann eine Leitung coachen?

Um diese Frage gut zu beantworten, müssen wir zunächst auf das schauen, was ein Coach macht. Denn er erfüllt im Coaching-Prozess mehrere wesentliche Funktionen:

1. Zuhören und Verstehen: Der Coach nimmt sich Zeit, um die Anliegen, Ziele und Herausforderungen des Coachees herauszuarbeiten. Er hört aktiv zu, um ein tiefes Verständnis für die Situation des Coachees zu entwickeln.

2. Fragen stellen: Anstatt Ratschläge zu geben, stellt der Coach gezielte Fragen, die den Coachee dazu anregen, über seine Situation nachzudenken und eigene Lösungen zu entwickeln. Diese Fragen fördern Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung.

3. Ziele klären: Der Coach unterstützt den Coachee, klare und erreichbare Ziele zu definieren. Dabei hilft der Coach, die Ziele in konkrete, umsetzbare Schritte zu unterteilen.

4. Ressourcen aktivieren: Der Coach hilft dem Coachee, seine eigenen Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen zu erkennen und zu nutzen. Dies stärkt das Selbstvertrauen und die Eigenverantwortung des Coachees.

5. Unterstützen und motivieren: Der Coach ermutigt den Coachee, dranzubleiben und seine Ziele konsequent zu verfolgen. Er bietet Unterstützung, wenn Hindernisse auftauchen, und hilft, neue Lösungswege zu finden.

6. Feedback geben: Ein guter Coach gibt konstruktives Feedback, das dem Coachee hilft, seine Fortschritte zu reflektieren und Bereiche zu identifizieren, in denen Verbesserungen möglich sind.

Mit Blick auf diese Auflistung lassen sich sehr deutlich Parallelen zur Arbeit einer Kita-Leitung erkennen, die ich jedoch noch schärfen möchte, indem ich auch sehr klar benenne, was ein Coach NICHT macht. Ein Coach ist kein Berater, Therapeut oder Lehrer! Daher

1. … erteilt er keine Ratschläge! Ein Coach gibt keine direkten Ratschläge oder Anweisungen. Stattdessen unterstützt er den Coachee dabei, seine eigenen Lösungen zu entwickeln. An dieser Stelle wird spätestens deutlich, dass die Kita-Leitung nicht immer wie ein Coach agieren kann und darf, denn sie muss Anweisungen geben, Entscheidungen treffen oder auch konkrete Ratschläge erteilen. Daher braucht es Rollenklarheit und Rollentrennung, je nachdem in welchem Kontext die Leitung aktiv ist.

2. … löst er keine Probleme für den Coachee: Der Coach übernimmt nicht die Verantwortung, die Probleme des Coachees zu lösen. Stattdessen fördert er die Eigenverantwortung und befähigt den Coachee, selbst aktiv zu werden.

3. … stellt er keine Diagnosen: Coaching ist keine Therapie, und ein Coach stellt keine psychologischen Diagnosen und wird nicht therapeutisch tätig. Wenn therapeutische Unterstützung erforderlich ist, sollte der Coachee an einen entsprechenden Fachmann verwiesen werden. Dies gilt auch für die Kita. Persönliche Probleme von Mitarbeiter:innen sind wichtig und sollten auch ernst genommen werden. Auch sollte die Kita-Leitung sensibel und feinfühlig darauf eingehen, da das Wohlbefinden der Mitarbeiter:in Auswirkungen auf die Leistung und die Motivation der entsprechenden Person hat. Eine Kita ist jedoch keine Therapieeinrichtung für pädagogische Fachkräfte und die Kita-Leitung ist kein Therapeut/keine Therapeutin.

4. … bewertet oder urteilt er nicht: Ein Coach urteilt nicht über den Coachee oder bewertet auch seine Entscheidungen und Leistungen im Prozess nicht. Der Fokus liegt darauf, den Coachee in seiner Entwicklung zu fördern und wertfrei zu unterstützen. Als Leitung ist das nicht immer möglich, denn sie muss die Leistung ihrer Mitarbeitenden bewerten. Daher braucht es auch hier eine Rollentrennung: Trage ich den Hut des Coaches oder bin ich gerade als Leitung aktiv?

Entsprechend der unterschiedlichen Rollen verhalte ich mich als Leitung auch unterschiedlich. Diese Trennschärfe der eigenen Rolle ist zu beachten und zu kommunizieren.

Was muss ein Coach sein?

Wenn Kita-Leitungen in die Rolle eines Coaches schlüpfen, brauchen sie nicht nur Rollenklarheit und Methodenwissen, sondern auch Fach- und Handlungskompetenz. Dazu zählen die folgenden Eigenschaften.

▶ Empathie und Einfühlungsvermögen: Ein guter Coach kann sich in die Lage des Coachees hineinversetzen und versteht dessen Perspektive. Er zeigt echtes Interesse am Wohlergehen des Coachees und schafft eine vertrauensvolle Atmosphäre.

▶ Kommunikationsfähigkeit: Ein guter Coach ist ein hervorragender Zuhörer und verfügt über die Fähigkeit, klare und wirkungsvolle Fragen zu stellen. Er kommuniziert offen, ehrlich und respektvoll.

▶ Geduld und Gelassenheit: Coaching ist ein Prozess, der Zeit braucht. Ein guter Coach drängt den Coachee nicht, sondern gibt ihm den Raum, den er für seine Entwicklung benötigt.

▶ Professionalität und Ethik: Ein guter Coach handelt professionell und ethisch korrekt. Er wahrt die Vertraulichkeit des Coaching-Prozesses und respektiert die Grenzen seiner Rolle.

▶ Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Ein guter Coach ist in der Lage, sich an die individuellen Bedürfnisse und Ziele des Coachees anzupassen. Er ist flexibel in seiner Herangehensweise und kann unterschiedliche Coaching- Methoden einsetzen.

▶ Erfahrung und Qualifikation: Ein guter Coach hat eine fundierte Ausbildung und idealerweise auch Erfahrung im Coaching.

▶ Ergebnisorientierung: Ein guter Coach arbeitet mit dem Coachee zielorientiert. Er unterstützt den Coachee dabei, konkrete Ergebnisse zu erzielen, und überprüft regelmäßig die Fortschritte.

▶ Selbstreflexion: Ein guter Coach ist sich seiner eigenen Stärken und Schwächen bewusst und reflektiert regelmäßig seine eigene Praxis. Er ist dazu bereit, sich weiterzubilden und zu verbessern.

Jeder Coaching-Prozess ist dynamisch und beruht auf Vertrauen, Offenheit und gegenseitigem Respekt. Es geht nicht darum, schnelle Lösungen zu finden oder zu liefern, sondern darum, den Coachee in seiner Entwicklung zu unterstützen und ihm die Werkzeuge an die Hand zu geben, die er benötigt, um seine Ziele eigenständig zu erreichen. Ein guter Coach versteht, dass der Weg genauso wichtig ist wie das Ziel und dass jede Coaching-Beziehung einzigartig ist.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es zahlreiche Parallelen zwischen der Arbeit einer Kita-Leitung und der eines Coaches gibt, jedoch ebenso viele Unterschiede. Daher ist es in vielen Situationen unerlässlich, klar zwischen der Rolle als Coach und der als Kita-Leitung zu unterscheiden.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Kita-Leitung niemals die gleiche Neutralität wie ein externer Coach haben kann, da sie selbst Teil des Kita-Systems ist und eng mit diesem verbunden agiert. Aufgrund dieser internen Verflechtung kann die Kita-Leitung nicht als „neutraler“ Coach mit dem Team arbeiten, da ihre Rolle unweigerlich von ihrer Position im System beeinflusst wird.

Sie kann jedoch Anteile eines Coaches in ihr Handlungsrepertoire übernehmen und sich Verhaltensweisen eines Coaches aneignen. Dazu zählt dann zum Beispiel auch, dass sie sich, wie ein Coach, nicht nur als Begleiter, sondern als ein Katalysator für die persönliche und berufliche Entwicklung ihrer Mitarbeiter:innen versteht.

Durch gezieltes Fragen, aktives Zuhören und eine vertrauensvolle Beziehung kann sie ihren Mitarbeiter:innen helfen, Klarheit zu gewinnen, Hindernisse zu überwinden und eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen. Auch kann sie, wie ein guter Coach, nicht nur die Zielerreichung fördern, sondern das Wachstum und die Selbstreflexion jeder einzelnen pädagogischen Fachkraft.

Den Coach coachen

Zur Professionalität und zum Selbstverständnis einer Kita-Leitung sollte es gehören, sich selbst regelmäßig coachen zu lassen. Die Wahl eines geeigneten Coaches ist jedoch eine wichtige Entscheidung, besonders für eine Kita-Leitung, die nach professioneller Unterstützung sucht. Angesichts der Vielzahl von Personen, die sich als „Coach“ bezeichnen, ist es entscheidend, seriöse und qualifizierte Coaches zu identifizieren.

Zum Schluss möchte ich Ihnen daher einige Kriterien und Tipps mit auf den Weg geben, die helfen können, einen passenden und qualifizierten Coach zu finden. Achten Sie auf:

▶ Qualifikationen und Ausbildung: Ein seriöser Coach sollte eine fundierte Ausbildung im Coaching vorweisen können.

▶ Erfahrung und Referenzen: Die praktische Erfahrung eines Coaches ist ein wesentlicher Faktor bei der Auswahl. Fragen Sie deshalb nach Berufserfahrung, Referenzen und Empfehlungen.

▶ Persönliches Gespräch und Chemie: Der persönliche Kontakt zum möglichen Coach ist entscheidend, um festzustellen, ob die Chemie zwischen der Kita-Leitung und dem Coach stimmt.

▶ Ethik und Transparenz: Ein seriöser Coach agiert transparent  und ethisch, das bedeutet, er unterwirft sich den Ethikrichtlinien seines Berufsverbandes und seinem eigenen Berufskodex.

▶ Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Ein guter Coach kann seinen Ansatz flexibel an die Bedürfnisse der Kita-Leitung anpassen.

▶ Erstgespräch: Viele Coaches bieten ein unverbindliches Erstgespräch oder ein Probe-Coaching an.

▶ Kosten und Vertragsbedingungen: Ein seriöser Coach wird von Anfang an transparent über seine Kostenstruktur und die Vertragsbedingungen informieren. ●

QUELLEN:

Die Texte basieren auf einer Kombination von allgemeinem Wissen über Coaching-Praktiken und meinen umfassenden Coaching-Erfahrungen als systemischer Senior Coach, die ich in den letzten 20 Jahren gesammelt habe. Zudem stammen die Informationen aus anerkannten Konzepten und Standards im Coaching-Bereich, einschließlich der Prinzipien von Coaching-Verbänden wie dem Deutschen Coachin Verband (DCV).

Übernahme des Beitrags mit freundlicher Genehmigung aus
Praxis Kita-Leitung 1-2025, S., 12-15

Veröffentlicht:
26. Januar 2026

Ursula Günster-Schöning, Prozess- und Organisationsbegleiterin, Master Coach QRC und pädagogische Koordinatorin, staatlich anerkannte Sozialfachwirtin und Erzieherin und Inhaberin des Fortbildungsinstituts ERFOR


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