Der Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen reagiert alarmiert auf die neue Studie der Bertelsmann Stiftung zur Fachkraftquote in Kitas. Die Ergebnisse bestätigen aus seiner Sicht, was viele Fachkräfte und Träger aus der Praxis seit Jahren beklagen: Der Anteil an pädagogisch voll ausgebildeten Fachkräften in den Teams bricht ein – mit gravierenden Folgen für die Qualität der frühkindlichen Bildung in Niedersachsen.
Der KiTa-Fachkräfteverband führt aus:
Laut der Pressemitteilung zum Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme liegt der Anteil der Kitateams in Niedersachsen, in denen mehr als 80 % der pädagogisch Tätigen über eine einschlägige Fachschulausbildung verfügen (gemeint ist eine „hohe Fachkraftquote“), 2023nur noch bei 26 %. Im Jahr 2017 lag dieser Anteil noch bei 39 % – der Rückgang fällt damit mit über 13 Prozentpunkten deutlich stärker aus als im Bundesschnitt.
Parallel dazu hat in Niedersachsen der Anteil der Kita-Teams, in denen nur 50 bis unter 70 % des pädagogischen Personals qualifizierte Fachkräfte sind, seit 2017 von knapp 30 % auf über 38 % zugenommen.
In Bezug auf die aktuelle Studie heißt es in einer bundesweiten Auswertung: In Niedersachsen lag die durchschnittliche Fachkraftquote (ohne Horte) im Frühjahr 2024 bei 71,3 %, was dem Bundesdurchschnitt entspricht.
Diese Zahlen verdeutlichen, dass viele Kita-Teams in Niedersachsen bereits heute weit von dem Idealprodukt „mehr als acht von zehn Mitarbeitenden mit Fachschulabschluss“ entfernt sind.
Ein Rückgang der Fachkraftquote hin zu einem höheren Anteil an sozialpädagogischen Assistentinnen und Assistenten, Quereinsteigerinnen oder pädagogischen Hilfskräften bringt erhebliche Risiken mit sich:
1. Qualität der pädagogischen Arbeit leidet
Fachkräfte mit formaler Ausbildung bringen didaktisches Wissen, fundierte Kenntnisse in Entwicklungspsychologie, Sprachbildung, Eingewöhnungsprozessen, Inklusion, Beobachtung und Dokumentation mit. Wenn Teams zunehmend auf Assistenzkräfte setzen, wächst die Lücke zwischen Anspruch und tatsächlicher Umsetzung pädagogischer Prozesse. Die Studie warnt, dass eine niedrigere Fachkraftquote die Qualität der pädagogischen Arbeit minderte.
2. Mehr Belastung für verbleibende Fachkräfte
Wenn Assistenzkräfte ohne ausreichende Qualifikation angeleitet und begleitet werden müssen, entsteht zusätzlicher organisatorischer und pädagogischer Aufwand. Damit steigt die Belastung der bereits ausgebildeten Fachkräfte weiter – mit der Gefahr von Burnout, Überforderung und einer noch höheren Fluktuation.
3. Ungleichheiten bei Bildungszugängen verschärfen sich
Kinder in Einrichtungen mit geringer Fachkraftquote erhalten weniger individuelle Förderung, weniger diagnostische Begleitung und weniger professionelle Unterstützung in herausfordernden Situationen.
4. Personalabwanderung droht
Aus Studien geht hervor, dass viele Fachkräfte sich überlastet fühlen oder bereits mit dem Gedanken spielen, das Berufsfeld zu verlassen. Wenn Standards weiter abgesenkt werden, beschleunigt dies eine negative Spirale. Dies ging auch aus der Vorauswertung einer Umfrage des Kita-Fachkräfteverbandes Niedersachsen-Bremen e.V. hervor.
5. Betriebssicherheit der Einrichtungen gefährdet
Bei Krankheit oder Ausfällen fehlen Ersatzfachkräfte, die Arbeitsfähigkeit der Kita kann eingeschränkt sein – im schlimmsten Fall drohen weitere Notbetreuungen, Schließtage oder Einschränkungen bei Öffnungszeiten.
Der Verband fordert dringend:
„Der Rückgang der Fachkraftquote ist nicht nur ein statistisches Phänomen – er führt zu einem Substanzverlust unseres Kitasystems“, betont die 1. Vorsitzende des Fachkräfteverbands, Melanie Krause. „Wenn wir nicht sofort handeln, bezahlen die Kinder, Familien und Fachkräfte den Preis.“
Quelle: Stellungnahme Kita-Fachkräfteverband Niedersachsen-Bremen