
„Augenhöhe statt Strafen“ ist der Titel des vorliegenden Buches von Kathrin Hohmann. Mit dem Titel wird bereits deutlich, worum es der Autorin geht: In diesem Buch steht die bewusste Gestaltung von Beziehungsmomenten mit Kindern in der KiTa im Vordergrund – nicht zuletzt mit dem Ziel, von Anfang an auch gesellschaftlich auf ein friedliches, beziehungsvolles Miteinander hinzuwirken. Dafür will dieses Buch „pädagogischen Fachkräften vielfältige, liebevolle und gleichzeitig klare Denkanstöße schenken, um die eigenen Erziehungsmaßnahmen auf dem Weg zu einem beziehungsvollen Miteinander kritisch zu reflektieren“ (S. 4).
Um pädagogische Fachkräfte für die herausfordernde Aufgabe zu stärken, „Kinder in ihren Emotionen und gelebten Konflikten zu begleiten“ (S. 5), werden auf etwas mehr als 100 Seiten verschiedene Reaktionen und Verhaltensweisen pädagogischer Fachkräfte beleuchtet und reflektiert sowie jeweils Handlungsalternativen im Sinne eines beziehungsvollen Miteinanders aufgezeigt. Dabei gelingt es Kathrin Hohmann in dem Buch, nicht anklagend oder vorwurfsvoll zu werden. Vielmehr wird immer wieder aufgezeigt, aus welchen Gründen und mit welchen Motiven Fachkräfte bestimmte, weniger wünschenswerte Handlungsweisen im pädagogischen Alltag zeigen und was daran für Kinder und deren Entwicklung nachteilig ist. Besonders hilfreich dürften die Hinweise sein, wie man sich Kolleg*innen annähern kann, deren Verhaltensweisen gegenüber Kindern möglicherweise als problematisch gesehen werden.
Gleich zu Beginn des Buches werden mit Regeln, Grenzen und Strafen Themen angeschnitten, die häufig im Zusammenhang mit herausfordernden Situationen diskutiert werden. Die Bedeutung des eigenen Verhaltens als Modell für die Kinder, leider auch im Falle eigener Überforderung in Stresssituationen, wird ebenfalls beleuchtet. Im Folgenden werden übersichtlich strukturiert kapitelweise Themen wie Ausschluss und Auszeiten, körperliche Fixierung, das Laut-Werden von Fachkräften, Verhaltensampeln und Zwang beim Essen näher betrachtet. In den Ausführungen werden leicht verständlich jeweils passende Brücken zu damit verbundenen Aspekten wie z.B. Adultismus, Stresszyklen, Sichere Orte, Machtebenen, Gewaltfreie Kommunikation, Reckahner Reflexionen und Bedürfnisorientierung erläutert. Die verschiedenen Handlungsalternativen werden zu jedem Kapitel abschließend noch einmal in einem pädagogischen Werkzeugkoffer zusammengestellt.
Der Kompaktheit und leichten Lesbarkeit des Buches ist es sicherlich geschuldet, dass die Leserschaft sich an manchen Stellen ausführlichere Erläuterungen wünschen würde oder einige Perspektiven und Umstände ungünstiger Verhaltensweisen im pädagogischen Alltag unbeleuchtet bleiben.
Ein auf dem Buch aufbauendes Kartenset mit dem gleichen Titel gibt dafür jedoch weitere Anregungen. Im Fokus stehen dabei vor allem grenzverletzendes Verhalten und die Problematik von Strafen. 33 Alltagsbeispiele solch problematischer Verhaltensweisen werden auf den Karten zur Reflexion im Team (oder auch in der Aus- und Fortbildung) angeboten. Auf der Rückseite erfolgt jeweils eine kurze Erläuterung, was an dem Verhalten ungünstig ist und wie man anders mit einer Situation umgehen könnte. Da diese Karten des Formats wegen sehr kurz gehalten sind und die gemeinsame Reflexion im Fokus steht, ist eine vorherige Auseinandersetzung mit dem Buch und der dahinterstehenden Haltung zu empfehlen, insbesondere wenn man mit den Karten als Leitungskraft, Fachberater*in oder Weiterbilder*in mit pädagogischen Fachkräften nachhaltig Veränderungen bzw. eine Stärkung des Teams auf den Weg bringen möchte.
Peter Keßel