Forschungsstelle Begabungsförderung
Leitung:
Prof. Dr. Julius Kuhl (Psychologie)
Prof. Dr. Claudia Solzbacher (Erziehungswissenschaft)
Jedem Kind sind Begabungen gegeben, manche haben besondere. Alle diese Begabungen sind vielfältig und unterschiedlich.
Für die nifbe – Forschungsstelle Begabungsförderung ist ein weites und dynamisches Begabungsverständnis grundlegend. So wird davon ausgegangen, dass sich Begabungen im Laufe der Jahre entwickeln, verändern und verschieben können. Bedeutenden Einfluss auf die Umsetzung des Begabungspotentials in individuelle Leistung haben sowohl die Umweltfaktoren als auch die Persönlichkeitsfaktoren des Kindes. Dafür sind zahlreiche Kompetenzen erforderlich, wie beispielsweise Motivation, Selbststeuerungsfähigkeiten oder Durchhaltevermögen. Entsprechend ist ein Ziel unserer Forschungen, herauszuarbeiten, wie Kinder in ihrer optimalen Entfaltung unterstützt werden können. Das setzt voraus, dass sich der Blick von den Defiziten hin zur ressourcenorientierten Förderung wendet, um die individuellen Begabungspotentiale aller Kinder in den Vordergrund zu stellen.
Angesichts der Ergebnisse zahlreicher Studien (z. B. der einschlägigen internationalen Vergleichsstudien PISA, Iglu, OECD etc.) erweisen sich die Begabungsförderung und die individuelle Förderung als notwendige Innovationsaufgaben für ein leistungsfähiges und chancengerechtes Bildungssystem. Darüber hinaus wird die Systematisierung von Begabungsförderung innerhalb des gesamten Systems in einschlägigen Studien angemahnt, die sich institutionell aber noch nicht hinreichend niedergeschlagen habe. Damit trägt die Forschergruppe also den Problemen Rechnung, die als große bildungspolitische Herausforderungen unserer Zeit gelten.
Wir sind eine interdisziplinäre Forschungsstelle
Als innovativ für den Bereich der Wissenschaft ist die Verzahnung von Pädagogik und Psychologie zu betrachten, sowohl in der Theoriebildung als auch in der Durchführung bzw. Begleitung von Praxisprojekten. Kennzeichen des nifbe insgesamt ist die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis.
In der Forschungsstelle Begabungsförderung ist eine Forschungshaltung maßgebend, die die Fragen aus der Praxis aufnimmt und das vorhandene Wissen aus diesem Bereich wertschätzt. Die so erzielten Forschungsergebnisse werden an die Praxis weitergegeben. Damit soll die Theorie differenzierter und praxistauglicher werden und die Praxis soll reflektierter und damit noch wirkungsvoller werden.
Umgang mit Diversität
Vielfältige kulturelle, soziale und persönlichkeitsbezogene Unterschiede - wie z.B. in den Interessen, Lernstilen, Lerntempi und Lerneinstellungen - von Kindern müssen bei der alltäglichen Gestaltung von Lernsituationen in Kindergärten und Grundschulen berücksichtigt werden, wenn man eine möglichst optimale Passung von individuellen Lernvoraussetzungen und Lernangeboten für das einzelne Kind erreichen möchte.
Voraussetzung und zugleich ethisches Postulat dafür ist, dass jedes Kind in seiner Persönlichkeit und mit seinem individuellen Begabungspotenzial angenommen wird und gefördert werden soll. Wichtig ist dabei auch, dass die Verschiedenheit der Kinder als Bereicherung des Alltags und als pädagogische Herausforderung wahrgenommen wird.
Aus der Diversität der Kinder im Vorschul- und Grundschulalter ergibt sich ein wichtiges Argument für individuelle Förderung. Der Kindergarten und die Grundschule sind Institutionen, in denen jedes Kind von Anfang an entsprechend seinen Begabungen und Lernmöglichkeiten gefördert und gefordert werden kann. Individuelle Förderung bedeutet die Förderung vielfältiger Begabungen in verschiedenen frühkindlichen Lebens- und Entwicklungsphasen sowie in verschiedenen Lebens- und Lernumwelten.
Chancengerechtigkeit
Besondere Förderung durch individualisierte Lernangebote bedürfen Kinder aber nicht nur in spezifischen Alters- und Entwicklungsphasen, sondern auch bei Entwicklungsverzögerungen oder Lernschwierigkeiten, die sich u.a. aus kulturell- und sozialbedingten Benachteiligungen ergeben können. Auch Kinder mit besonderen Begabungen haben ein Recht, bereits im Kindergarten und in der Grundschule herausfordernde Entwicklungsimpulse und Lernangebote zu erhalten, die ihren Fähigkeiten entsprechen, und die sie dabei unterstützen, ihre Begabungen zur Entfaltung zu bringen und zielgerichtet weiter zu entwickeln.
Benachteiligungen einzelner Kinder können (unabhängig vom ihrem Begabungspotenzial) aber auch entstehen, wenn z.B. eine Passung zwischen den individuellen Lernvoraussetzungen und den Lernangeboten in den Institutionen nicht realisiert wird. Die negativen Erfahrungen, die sich daraus – vor allem für Hochbegabte und für Kinder mit Lernschwierigkeiten - ergeben können, ziehen sich häufig durch die gesamte Lern- und Lebensbiografie der Betroffenen. Eine breit angelegte Begabungsförderung und individuelle Förderung könnten vor diesem Hintergrund als ein wichtiger Beitrag zur Herstellung von Chancengerechtigkeit angesehen werden. Der Forschungsbedarf im Hinblick auf anwendungsfähige Konzeptionen zur Begabungsförderung und zu individueller Förderung und deren Wirksamkeit ist immens.
Moderation der Übergänge und systematische Vernetzung
Die Anschlussfähigkeit der Bildungsprozesse von Kindern bei Übergängen in weiterführende Bildungsinstitutionen, z.B. beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule und anschließend in die weiterführende Schule, kann vielerorts derzeit noch nicht befriedigend realisiert werden. Notwendig erscheint eine kontinuierliche Kooperation zwischen den beteiligten Institutionen, z.B. bei der Durchführung gemeinsamer Veranstaltungen. Wichtig für die Gewährleistung von Anschlussfähigkeit in den Bildungsprozessen der Kinder sind aber auch ein systematischer Austausch von Informationen und die Anschlussfähigkeit von internen institutionellen Prozessabläufen, den zu vermittelnden Bildungsinhalten und den Lehr- und Lernmethoden, die für einen erfolgreichen Übergang relevant sind. Der Bedarf an wissenschaftlicher (Begleit-) Forschung hierzu ist ebenfalls groß.





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